Finnland-Wahl: Gewinne für Rot und Grün, aber keine Mehrheit

Finnland. Drei Parteien fast gleich stark an der Spitze, aber keine über 20 Prozent – die Wahl in Finnland führte zu einem Ergebnis ohne klare Richtung. Eindeutig ist lediglich das extrem schlechte Resultat für die Zentrumspartei von Ministerpräsident Juha Sipilä. Er ist inzwischen als Parteivorsitzender zurückgetreten, wird aber noch übergangsweise im Amt bleiben.

Finnland Flagge

Finnland hat gewählt.

Die Sozialdemokraten wurden wie prognostiziert stärkste Partei, aber nur knapp, mit 17,7 Prozent, und erhielten  mit 40 Sitzen sechs Mandate mehr. Ihnen dicht auf den Fersen sind die rechtsnationalen Basisfinnen, auch als Wahre Finnen bekannt (Perussuomalaiset/ Sannfinnländerna) mit 17,5 Prozent und einem zusätzlichen Mandat. Diese haben wiederum nur einen knappen Vorsprung von der konservativen Sammlungspartei (Kokoomus/Samlingspartiet) mit 17,0 Prozent, die als einzige ehemalige Regierungspartei keine Verluste hinnehmen musste. Sipiläs Zentrum (Keskusta/Centern) erhielt nur noch 13,8 Prozent und verlor 18 von 49 Mandaten. Der dritte Koalitionpartner, die „Blaue Zukunft“, eine Abspaltung der Basisfinnen, ist künftig gar nicht mehr in der Eduskunta, dem finnischen Parlament, vertreten. Die drei „stärksten“ Parteien liegen so knapp beieinander, dass sich in den nächsten Tagen noch Verschiebungen bei den Mandaten ergeben könnten, denn die Wahlkreise sind nicht gleich groß, entscheidend sind die Stimmen für die Kandidaten. Insgesamt gibt es in der Eduskunta 200 Sitze.

Vierer-Konstellation an die Regierung?

Die Grünen schlugen sich in der „Klimawahl“ mit 11,5 Prozent gut und gewannen fünf Mandate dazu, auch dank des bekannten und beliebten Spitzenkandidaten Pekka Haavisto. Das Linksbündnis bekam 8,2 Prozent und vier Sitze mehr. All die Zuwächse auf der rot-grünen Seite reichen aber nicht aus für eine Regierungsmehrheit. Minderheitsregierungen haben in Finnland keine Tradition, die Blockgrenzen sind aber auch nicht so schwer zu überwinden wie in Schweden. 

Eine Konstellation, die bereits am Wahlabend von mehreren Kommentatoren bei Yle genannt wurde, ist die Sozialdemokraten-Sammlungspartei-Grüne-Schwedische-Volkspartei-Variante, die auf 107 von 200 Sitzen käme. Die liberale schwedische Volkspartei ist die Partei der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland. Das Zentrum gilt nach dem starken Verlust als zu angeschlagen für eine Regierungsbeteiligung, mit den Basisfinnen dürfte es keine inhaltliche Einigung geben. Viele Politiker äußerten an dem Abend den Wunsch nach einer schnellen Regierungsbildung, denn im zweiten Halbjahr  soll Finnland die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen.

Höchste Wahlbeteiligung seit 28 Jahren

Mit 72 Prozent war die Wahlbeteiligung die höchste seit 28 Jahren. Dass es keine einzige Partei mehr über 20 Prozent schafft, ist neu – doch ehemals große Volksparteien schrumpfen auch in anderen Ländern. Die Basisfinnen liegen mit ihrem Ergebnis auf ähnlicher Höhe wie ihre Meinungsfreunde im Nachbarland, die Schwedendemokraten. Die meisten persönlichen Stimmen erhielten ihr Spitzenkandidat Jussi Halla-aho (30 527, in Helsinki) die zweitmeisten Li Andersson, Vorsitzende des Linksbündnisses (24 404, in der Region Eigentliches Finnland).

Alle Zahlen nach Yle sowie vaalit.fi  Letzter Stand 16.4., 22 Uhr.

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Alle Gewinne und Verluste:

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