Weniger Eis, mehr Mäuse – Spitzbergen muss jagen gehen

 Spitzbergen. Auf Spitzbergen ist die Jagd in Gang – doch die Beute ist nicht zum Verzehr gedacht und das Fell lohnt auch nicht. Ziel ist, die eingewanderte osteuropäische Feldmaus so weit wie möglich zu dezimieren. Denn es sind Exemplare mit Fuchsbandwurm gefunden worden, und aufgrund des wärmeren Klimas hat sich die Art zuletzt weiter ausgebreitet. Darüber berichteten NRK und Svalbardsposten.

Feldmaus

Feldmaus (Symbolbild). Foto pixabay

Eigentlich ist die Mausart, Microtus levis, gar nicht so weit im Norden heimisch. Man vermutet, dass sie einst als blinder Passagier auf einem Schiff aus Russland in die Siedlung Grumant kam. Dort waren 1912 Kohlelagerstätten gefunden worden, und russische Gesellschaften betrieben dort bis in die 1960er Jahre Bergbau. Bisher war sie auch nur in der weiteren Umgebung von Grumant angetroffen worden. Lange hielt man die Maus, den einzigen Kleinnager auf Spitzbergen, für unerwünscht, weil eingewandert, aber relativ harmlos. Jahre mit viel Kahlfrost und Eis auf den Hängen hielten den Bestand in Schach.

Der Klimawandel schreitet aber auf Spitzbergen besonders schnell voran, und das hat Folgen:  Häuser, unter denen der Permafrost taut, Hänge, die plötzlich extrem lawinengefährlich sind, Eisbären, denen das Eis fehlt.  Insbesondere die Wintermonate fallen deutlich milder aus als früher, wie man in den Langszeitstatistiken des norwegischen Wetterdienstes Yr sehen kann. Das erhöht auch die Überlebenschancen der Maus: Ihre Spuren wurden nun weit über ihr Kerngebiet am Isfjord hinaus gefunden.

Maus als Zwischenwirt für Fuchsbandwurm

Was die Ausbreitung der Maus bedenklich macht:  1999 stellte man fest, dass Mäuse im Kerngebiet mit dem Fuchsbandwurm befallen waren. Die Maus ist hier Zwischenwirt. Wird sie von einem der auf Spitzbergen zahlreichen Polarfüchse oder von einem Hund gefressen, hat der Bandwurm sein Ziel erreicht. Über den Kot infizierter Polarfüchse oder Hunde können sich auch Menschen damit  anstecken. Wird sie nicht behandelt, verläuft der Befall für den Menschen zu 80 bis 90 Prozent tödlich.

Um die Ausbreitung der Art samt des Erregers in Schach zu halten, rufen nun die Inselverwaltung (Sysselmann på Svalbard) und das Norwegische Polarinstitut zur Mausejagd am Isfjord: Die Bewohner können sich gratis Fallen ausleihen, es gibt Köder-Tipps, Prämien für den fleißigsten Fänger und für das größte Exemplar. Die toten Mäuse werden anschließend auf Parasitenbefall untersucht.

Mehr zu Spitzbergen:

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Biologie, Norwegen, Spitzbergen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.