Grönland: Wie verjagt man einen Eisbären?

Grönland. Jeder möchte Eisbären schützen. Doch was, wenn ein Tier im eigenen Dorf auftaucht? Im ostgrönländischen Ittoqqortoormiit sorgt eine vom WWF eingerichtete Patrouille für Sicherheit – doch die Wächter brauchen neue Methoden, um Mensch und Tier zu schützen. Darüber berichtete KNR.

Eisbär

Den König der Arktis bewundert man besser aus der Ferne. Foto pixabay

Der letzte Besuch in  Ittoqqortoormiit vergangene Woche endete für den Eisbären tödlich. Fünf Tage lang hatte er versucht, in den Ort zu kommen. Immer wieder hatte die Eisbärenpatrouille oder der Jagdbeauftragte ihn verscheucht. Bei einem neuen Anlauf ließ er sich nicht mehr vertreiben, sondern bewegte sich auf ihn zu. Im letzten Moment schoss der Jagdbeauftragte. Man habe seit zehn Jahren keine Angriffe von Eisbären auf Menschen mehr gehabt, sagte er zu KNR.  Doch in diesem Jahr sei das Eis mehrfach aufgebrochen und die Eiskante, wo sich die Bären aufhalten,  deshalb nah am Ort.

Es war bereits der zweite Eisbären – Konflikt in diesem Jahr in der Gegend – im anderen Fall konnte ein unbewaffneter Mann auf seinem Schneescooter entkommen. Daraufhin hatte die Eisbärenpatrouille in Ittoqqortoormiit in diesem Jahr besonders frühzeitig ihre Wachgänge aufgenommen. Sie soll vor allem dafür sorgen, dass die Kinder sicher zur Schule gehen können. Der WWF hatte die Patrouille 2015 in Zusammenarbeit mit der Kommune eingerichtet. Ziel ist, die Sicherheit im Ort zu erhöhen, ohne auftauchende Eisbären gleich erschossen werden. Konflikthafte Begegnungen mit Eisbären gibt es auch in anderen grönländischen Orten, in Ittoqqortoormiit sind sie besonders häufig. Und sie nehmen zu: 2017 wurden dort  21 Begegnungen gemeldet. 2016 waren es acht Fälle. 2007 waren es laut WWF nur neun Fälle in ganz Grönland.

Weniger Eis, mehr Konflikte mit Eisbären

„Überall in der Arktis sind die Konflikte zwischen Eisbären und Menschen in dem Tempo gestiegen, in dem die Klimaveränderungen das Meereis haben schrumpfen lassen. Die Bären sind nun gezwungen, sich länger als frühere an Land aufzuhalten, und dort ist Nahrung knapp. Auf ihrer Suche nach Futter kommen sie oft in die Städte und Siedlungen“, so die Erklärung des WWF Dänemark. Besonders häufig sind die Begegnungen ab Sommer, wenn das Eis weggeschmolzen ist. Das Konzept der Eisbärenpatrouille gibt es auch in Kanada und Russland.

Ittoqqortoormiit

Ittoqqortoormiit liegt in Ostgrönland. Karte mit Hilfe von stepmap.

Aber wie verjagt man nun einen Eisbären, der nicht von selbst verschwindet? Manchmal habe es ausgereicht, mit dem Schneescooter auf sie zuzufahren, berichtet der WWF-Projektkoordinator bei KNR. In schwierigeren Fällen war man mit Gummigeschossen erfolgreich. Doch diese seien inzwischen nicht mehr genug. In Alaska habe man gute Erfahrungen mit einem anderen Typ Gummigeschossen gemacht, diese werden gerade getestet. Früher gab man häufiger Warnschüsse ab. In Arbeit ist jedoch auch ein High-Tech-System mit einem Sensor, das Mensch, Bär und Hund unterscheiden  und bei Bedarf warnen kann.

In Grönland dürfen Eisbären noch gejagt werden,  nach einer jährlich festgelegten Quote. In Ittoqqortoormiit waren dies für 2018 35 Tiere. Die Quote ist bereits erreicht. Eisbären, die in Notwehr geschossen werden, sogenannte „Problembären“, wurden bisher nicht auf die Quote angerechnet. Das kritisiert der WWF in Jyllands Posten: Die Quote beruhe auf der Zahl, die möglich sei, ohne den Bestand zu gefährden. Zusätzliche Abschüsse gingen darüber hinaus und schwächten den Bestand. Der WWF fordert, die in Notwehr erschossenen Tiere auf die Quoten anzurechnen.

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Video des WWF über die Eisbärenpatrouille in Ittoqqortoormiit und wie es dazu kam (auf Dänisch mit dänischem Text im Bild).

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