Vergabeverfahren für Polarstern-Nachfolge gestoppt

Vor vier Jahren erklärte das Bundesforschungsministerium, man plane die Nachfolge des Forschungsschiffes Polarstern. Der deutsche Forschungseisbrecher, der aktuell durch mit dem Eis durch den Arktischen Ozean driftet, ist seit 1982 in Betrieb. Nun stoppte das Ministerium das Vergabeverfahren „aus rechtlichen Gründen“.

Polarstern

Polarstern bei der Expedition Mosaic im Arktischen Eis, Foto Marcel Nicolaus/AWI

Dank des Mosaic-Projektes ist die Polarstern aktuell in der Öffentlichkeit so präsent wie selten zuvor. Es wurde lange für die Mission vorbereitet und ausgerüstet. Über einen Nachfolgebau wurde aber bereits seit Jahren mit Werften verhandelt, dazu gehört auch die Bremerhavener Lloyd Werft. Nun muss die Polarstern noch etwas länger halten, das Ministerium hat das Verfahren gestoppt. „Die Ergebnisse des bisherigen Vergabeverfahrens genügen den gegenwärtigen Anforderungen an eine langfristige, leistungsfähige und wirtschaftliche Investition in notwendige Infrastruktur nicht“, heißt es in der offiziellen Mitteilung des Bundesministeriums. Um welche rechtlichen Gründe es geht, wurde nicht erklärt.

1,7 Millionen Seemeilen im Dienste der Forschung

Die Polarstern ist ein eisbrechendes Spezialschiff für die Polarforschung und nicht einfach durch eines der anderen Forschungsschiffe ersetzbar. Über die Einsätze verfügt das Alfred-Wegner-Institut (AWI), das Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Unter anderem bringt sie Wissenschaftler, Ausrüstung und Proviant zur  Neumayer-Station in der Antarktis. 1991 waren die Polarstern und der schwedische Forschungseisbrecher Oden bei ihrer gemeinsamen Expedition die ersten nicht atomgetriebenen Schiffe am Nordpol. 1,7 Millionen Seemeilen hat die Polarstern inzwischen im Dienste der Forschung zurückgelegt. Und Polarforschung, das zeigen die täglichen Nachrichten, ist in Zeiten des Klimawandels wichtiger denn je. Deshalb die Mission Mosaic.

Erfahrungen aus Mosaic sollen berücksichtigt werden

Antje Boetius, Direktorin des AWI, kündigte in einer Stellungnahme an, man werde die Polarstern gut pflegen, damit sie ihren Auftrag noch länger erfüllen könne. Von 1999 bis 2001 war die Polarstern modernisiert und auf den damals technisch neuesten Stand gebracht worden. Langfristig benötige man jedoch ein moderneres Forschungsschiff für die Aufgabe, so Boetius. Im Institut will man den Stopp als Chance sehen, auch die Erfahrungen aus der Mosaic-Expedition noch mit in die Planungen einzubringen. So will man zukünftig noch mehr Unterwasserroboter einsetzen können.

Polarstern vorn

Polarstern nach der Ankunft an der Scholle. Foto Sebastian Grote/AWI

Forschungsschiffe sind teuer, eisbrechende erst recht – laut NordErlesen war zuletzt von 650 Millionen Euro  für die Polarstern-Nachfolgerin die Rede. Dass Polarforschung aber wichtig ist, sieht auch das Ministerium so: „Das BMBF wird daher das Alfred-Wegener-Institut in die Lage versetzen, ein leistungsfähiges, wirtschaftliches und der international beachteten Stellung Deutschlands in der Polar- und Klimaforschung entsprechendes Nachfolgeschiff rechtzeitig zu beschaffen“, heißt es in der Erklärung. Ein Datum wurde dabei nicht genannt.

Mosaic-Blog mit täglichen Infos und Position: https://follow.mosaic-expedition.org/

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