Ein Jahr im Eis: Expedition MOSAiC ist gestartet

Tromsø (Norwegen). Gestern Abend hat das deutsche Forschungsschiff Polarstern Tromsø verlassen und ist auf dem Weg Richtung Nordostpassage. Ziel der Expedition MOSAiC  ist, das Schiff einzufrieren, mit dem Eis durch das Nordpolarmeer zu driften und dabei Messdaten zu sammeln. Partner aus 19 Ländern sind daran beteiligt.

Das Forschungsschiff Polarstern in der zentralen Arktis, Aufnahme von der Sommer-Expedition 2015. Foto M. Hoppmann/AWI

Die Expedition MOSAiC  (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate) wird zu Recht mit vielen Superlativen belegt. Sicherheitshalber sei hier deshalb daran erinnert, wer diese Art von Expedition als erstes durchführt: Fridtjof Nansen und seine Crew von der Fram. Sie verließen am 21. Juli 1893 Vardø. Es gab Theorien zur Eisdrift und Wrackfunde, die das belegten, aber keine Satellitenüberwachung, kein GPS, keine vollständigen Karten. Erst die drei Jahre lange Drift der Fram bewies überhaupt, dass es dort wirklich kein Land gab. Noch nie war jemand so weit nördlich gereist. Mit einem völlig neuen Schiffstyp, im Auftrag von Nansen konstruiert von Colin Archer aus Larvik, der dafür gebaut war, nicht im Eis zu zerdrücken. Dass es wirklich funktionierte, zeigte sich erst auf dieser Reise. Sie waren unterwegs ohne Hubschrauberunterstützung, Satellitentelefon und sonstige Kommunikationsmittel, und die hätten ihnen ohnehin nichts genützt, denn es hätte ihnen auch niemand helfen können. Nansen und seine Crew gingen ein hohes persönliches Risiko ein. Aber sie brachten Messdaten mit, die das damalige Wissen um die arktischen Verhältnisse enorm beförderten.

Daten sammeln für ein besseres Verständnis der Arktis

Nansen wäre begeistert davon, welche Möglichkeiten es heute für die Forschung gibt. Vielleicht auch davon, dass bei der Expedition der Polarstern, dem Flaggschiff des Alfred-Wegner-Institutes,  so viele Akteure an einem Strang ziehen.

Fram

Fram im März 1884, eingefroren im Polareis. Quelle: Fridtjof Nansen, Fram over Polhavet, gemeinfrei

Wissenschaftler aus 17 Staaten sind an Bord, darunter europäische Länder, Russland, China und die USA, weitere arbeiten von Land aus zu. Die Forscher werden werden Messtationen auf dem Eis bis zu 50 Kilometer entfernt von der Polarstern einrichten. Dabei helfen ihnen Helikopter und Schneemobile. Erhoben werden Daten aus den Bereichen Atmosphäre, Meereis, Ozean, Ökosystem und Biogeochemie. Davon erhoffen sich die Forscher ein besseres Verständnis für die Prozesse und Wechselwirkungen in der Arktis und zum Klimawandel, der dort doppelt so schnell voranschreitet wie anderswo.

Zur Versorgung und zum Auswechseln der Forscherteams sind vier Eisbrecher eingeplant: zwei russische, ein chinesischer und Oden aus Schweden. Im Frühjahr soll es auch Unterstützung aus der Luft geben. Den Anfang macht die Akademik Fedorow, auf der noch zahlreiche weitere Wissenschaftler an der Startphase teilnehmen. Sie begleitet die Polarstern bereits ab Tromsø, gemeinsam fahren sie Richtung Laptewsee im Norden von Ostsibirien.  Auf der Polarstern muss dann die Entscheidung darüber fallen, wo genau sie ins Eis abdreht und sich einfrieren lassen will.

Eisdrift bis zur „Framstraße“

Um die ganzen Messeinrichtungen aufzubauen, müssen die Schollen stabil genug sein. Das könnte ein Problem werden, denn dort gibt es kaum noch dickes mehrjähriges Eis, nur dünnes einjähriges. In diesen Tagen erreicht das arktische Meereis sein Minimum, danach wird es wieder wachsen. Der Aufbau sollte aber fertig sein, bevor es endgültig dunkel wird. Wie schon die Fram wird auch die Polarstern vermutlich nicht direkt über den Pol driften. Es wird erwartet, dass sie im Spätsommer zwischen Spitzbergen und Grönland aus dem Eis frei kommt. Diese Passage heißt heute Framstraße.

Der Verlauf der Expedition kann über die Web-App verfolgt werden:

https://follow.mosaic-expedition.org/

Mehr zu Forschung im Polarmeer: Laptewsee-Expedition: Fiebermessen in der Arktis

Trailer zu MOSAiC mit Bildern von früheren Expeditionen:

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