Schweden: Fossilfreies Stahlwerk H2 Green Steel genehmigt

Boden (Schweden). Das Stahlwerk H2 Green Steel in Norra Svartbyn bei Boden darf gebaut werden. Dazu gab das Boden- und Umweltgericht in Umeå nun grünes Licht. Dort soll fossilfreier Stahl mithilfe von Wasserstoff statt Koks produziert werden, wie beim Projekt Hybrit. H2 Green Steel will bereits 2024 mit der Produktion beginnen. Einige Fragen bleiben jedoch.

Luleälven

Luleälven südlich von Boden. Aus dem Fluss sollen 2000 Liter pro Sekunde entnommen werden.

Hinter H2 Green Steel steckt Vargas, dieselbe Investmentgesellschaft, die auch das Batterieunternehmen Northvolt maßgeblich finanziert, außerdem unter anderem Scania, das sich so seinen zukünftigen fossilfreien Stahl für seine Fahrzeuge sichern will. Der Standort ist im Prinzip günstig: Er liegt an der Erzbahn, und der Großraum Boden-Luleå bietet Platz für die Arbeitskräfte, die dort gebraucht werden.

Die Stromfrage

Zurzeit hat Nordschweden auch noch einen Stromüberschuss, der nach Finnland und Südschweden exportiert wird. Doch es stehen eine ganze Reihe stromintensiver Projekte an, deren Bedarf schon über das hinaus geht, was heute mit Wasser- und Windkraft dort produziert wird: die Erweiterung von Northvolt in Skellefteå, die Demonstrationsanlage von Hybrit in Gällivare, die fossilfreie Umstellung des Bergbauunternehmens LKAB … Vattenfall hatte H2 Green Steel deshalb noch keinen Strom zusichern können. Die Gesellschaft hat inzwischen einen Vertrag mit den staatlichen norwegischen Energieunternehmen Statkraft geschlossen, allerdings erst 2026-2032.

Die Rohstofffrage

Ein Stahlwerk braucht Erz, und davon gibt es reichlich gleich nebenan. Allerdings ist bisher nichts Konkretes über geplante Lieferanten bekannt. Nach dem jüngsten Stand will H2 Green Steel Erzpellets verarbeiten. Diese könnte theoretisch LKAB liefern, die aber ihre Pellets offenbar selbst nutzen wollen. Kaunis Iron in Kaunisvaara bei Pajala hat kein Pelletswerk. Muss das Erz von weiter weg angeliefert werden, steigt auch der ökologische Fussabdruck des Gesamtproduktes.

Die Konkurrenzfrage

Pionier der fossilfreien Stahlerzeugung in Vorbereitung auf eine industrielle Produktion ist das Projekt Hybrit von LKAB, dem Stahlwerk SSAB und Vattenfall. Die Pilotanlage in Luleå läuft, dort wird auch die Lagerung von Wasserstoff erprobt. Eine größere Demonstrationsanlage wird in Gällivare nahe den Gruben geplant. Die Projektpartner haben viel Zeit und Geld in Forschung gesteckt – und nun möchte H2 Green Steel sie gewissermaßen kurz vor dem Ziel überholen.

H2 Green Steel will gleich im großen Maßstab einsteigen – fraglich ist, inwiefern man dort über das Know-how verfügt. Die Technik an sich ist zwar nicht komplett neu, wurde aber bisher nicht im großindustriellem Umfang angewendet.

Die Umweltfrage

Das Gericht hat das Projekt von H2 Green Steel grundsätzlich zugelassen. Es wird aber, wie SVT berichtet, Umweltauflagen geben und das Unternehmen muss erklären, wie es bestimmte Naturwerte schützen wird. Der Wasserbedarf wird auf bis zu 2000 Liter pro Sekunde geschätzt, das dem Fluss Luleälv entnommen werden soll.

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