Ölsuche rückt an die Lofoten heran

Norwegen. Die deutsche Wintershall DEA hat die Erlaubnis bekommen, ab dem 1.September nahe dem Træna-Riff südlich der Lofoten nach Öl zu suchen. Norwegische Umweltorganisationen protestieren gegen diese Entscheidung. Darüber berichtete NRK.

Lofotodden und die Inseln südlich, gesehen von Å aus.

Zum Koalitionsvertrag der aktuellen norwegischen Regierung gehört zwar, dass die Lofoten, Vesterålen und Senja von der Ölsuche verschont bleiben, wegen ihrer besonders wichtigen Funktion für den Fisch-Nachwuchs. Das nun in den Blick genommene Gebiet liegt etwas weiter südlich. 2010 stand es schon einmal zur Diskussion und wurde dann verschont, denn auch das Træna-Riff gilt als wichtig für die Fische. Diesmal, so äußerte eine Vertreterin des Umweltministeriums gegenüber NRK, sei es vertretbar angesichts der Maßnahmen, die Wintershall DEA vorgeschlagen hat. Unter anderem wird die Gesellschaft von März bis inklusive August nicht bohren, also in der Zeit, die für den Vogel-und Fischnachwuchs besonders wichtig ist.

Protest dagegen kam bereits von den Umweltorganisationen Bellona, Natur og Ungdom sowie der lokale Folkeaksjon Oljefritt Lofoten, Vesterålen og Senja, die durch die Maßnahmen keineswegs beruhigt sind. In der Nähe des Bohrgebietes befinden sich Kaltwasser-Korallenriffe, wenn auch nicht genau am geplanten Bohrloch. Nach der Karte sind es außerdem nur 83 Kilometer bis zur südlichsten Lofoteninsel Røst – keine große Entfernung für eine Ölverschmutzung bei ungünstiger Wetterlage, die Meeresströmung geht auch in diese Richtung. Das Meeresforschungsinstitut bestätigt gegenüber NRK, dass die Befürchtungen nicht unrealistisch seien und hatte die Freigabe abgelehnt.

Am Öl hängen die Jobs

Dass man nun so nah an die Lofoten heranrückt, zeigt letztlich, wie dringend Norwegen mal wieder einen neuen, großen Ölfund braucht – wer auch immer ihn macht. Jahrzehnte hat das Land mit dem Öl gut gelebt, doch der Ertrag aus den alten Feldern sinkt. Johan Sverdrup in der Nordsee ist möglicherweise das letzte einfache Vorkommen. Das Projekt Johan Castberg in der Barentssee zeigt, dass man immer mehr Schwierigkeiten in Kauf nimmt, um weiter an Öl zu kommen. Daran hängen gut bezahlte Jobs und Einkommen für das Land – selbst wenn Norwegen dank vieler Steuererleichterungen auch Spitzenreiter in Sachen Elektroauto ist.

(Update 20. 7.)

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