Norwegen: Klimastreiks im Öl-Land

Norwegen. In mehr als 100 Ländern haben vergangenen Freitag Schüler gestreikt, um untätige Politiker zum Klimaschutz zu bewegen. Dabei gibt es ein paar länderspezifische Unterschiede: Was für Deutschland der Kohleausstieg ist, ist in Norwegen die Suche nach neuen Ölquellen. Die Regierung will 90 neue Gebiete zur Ölsuche freigeben.

Öl

Protestaktion von Natur og Ungdom auf dem Hafjell im Dezember. Foto Natur og Ungdom

In vieler Hinsicht ist Norwegen ein sehr klimabewusstes Land: Elektroautos werden dort so stark gefördert wie nirgendwo sonst in Europa. Dreckige Schiffe werden aus den Fjorden verbannt, immer mehr reguläre Fähren fahren mit Strom – der fast komplett von Wasserkraftwerken kommt. Das einzige Kohlekraftwerk steht auf Spitzbergen und hat keine Zukunft. Der Kohleabbau dort ist schon stark reduziert und wird langfristig komplett abgewickelt.

Aber Norwegen fördert auch Öl und Gas. Das hat dem Land Wohlstand beschert – und die Emissionen landeten ja zunächst größtenteils anderswo. Norwegen rühmt sich, auf besonders sichere und klimafreundliche Weise zu fördern. Doch jede Ölquelle ist endlich – auch Ekofisk und Gullfaks liefern nicht mehr wie früher. Nach Ersatz wird laufend gesucht. So günstig wie beim Troll-Feld ist er meist nicht zu haben. Tieferes Wasser und ein größerer Abstand zur vorhandenen Infrastruktur machen neue Projekte aufwändig und teuer. Die riesige Plattform Aasta Hansteen saugt Gas aus dem Meeresboden unter 1300 Metern Wasser – und ist damit in weniger als zehn Jahren fertig, wenn sich in der Nähe nicht neue Quellen finden. Die neuesten Ölprojekte sind Johan Sverdrup in der Nordsee und Johan Castberg in der Barentssee.

90 neue Öl-Suchgebiete geplant

Bohr-Rigg Leiv Eiriksson. Foto: Lundin Petroleum

Mehr soll kommen: Vergangenen Donnerstag teilte die Regierung mit, 90 neue Blöcke in den bereits gut erforschten Gebieten auf dem norwegischen Kontinentalsockel würden für die Konzessionsrunde 2019 vorgeschlagen. Davon liegen 48 in der Barentssee, 37 in der Norwegischen See und fünf in der Nordsee. Der Vorschlag geht nun an eine ganze Reihe von Instanzen, die ihre Kommentare bis Ende April abgeben müssen. Dazu gehören auch Naturschutzorganisationen.

Auch in Norwegen waren am Freitag Jugendliche auf der Straße statt in der Schule, um auf das Klima-Problem aufmerksam zu machen, das sie erben werden. NRK berichtet konkret von Forderungen zur Abkehr vom Öl ausgerechnet aus der Ölstadt Stavanger.

Vor zwei Jahren hatten Greenpeace Norwegen und die Jugend-Naturschutz-Organisation Natur og Ungdom sogar den norwegischen Staat wegen der Öllizenzen für die Barentssee verklagt – wegen Verstoßes gegen den Nachhaltigkeitsparagrafen im norwegischen Grundgesetz. Der Prozess erregte viel Aufmerksamkeit, die Klage wurde jedoch abgewiesen.

Was passiert mit dem restlichen Öl?

Ein kleiner Sieg für die Umweltbewegung ist, dass in der jetzigen Regierungsperiode die Lofoten, Vesterålen und Senja aus jeglichen Öl-Plänen ausgeklammert werden – ein Zugeständnis an die kleineren Koalitionspartner. Doch insgesamt ist von einer Abkehr vom Öl nichts zu merken. Laut einer Berechnung der Umweltbehörde würde Norwegen mit 2 Prozent zum verbliebenen „CO-Budget“ bis zur zwei-Grad-Marke beitragen, würde es alle seine Gas- und Ölvorräte heraufholen und verbrennen. Das klingt offenbar nicht bedrohlich genug für Veränderungen.

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Doch es sind nicht nur die Jugendlichen, die solche fordern: Erling Moxnes, Professor für Systemdynamik an der Universität Bergen, zählt in seinem Kommentar für NRK die vielen Situationen auf, in denen man sich in Norwegen auf ein „weiter so“ verlassen hat und zu viel in Projekte investierte, deren Branche sich wandelte. Daraus müsse die Ölbranche – darunter auch der staatliche Akteur Equinor – lernen. Norwegens Ölförderung führe nur zu Preisverfall und verstärkter Nachfrage. Statt dessen solle man jetzt  umsteuern und auf Alternativen setzen – die dann auch zukunftsträchtige Arbeitsplätze böten.

Am 22. März wollen die norwegischen Schüler in einem eigenen Klima-Aktionstag landesweit streiken. Zu den Organisatoren gehöre auch Natur och Ungdom und Grøn Ungdom.

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