Nordpol-Eiscamp Barneo für dieses Jahr abgesagt

Russland/ Nordpol. Mit Wetterproblemen muss man rechnen, wenn man ein Camp nahe des Nordpols errichtet. Das diesjährige Eiscamp Barneo scheiterte aber nicht nur daran, sondern auch am Russland-Ukraine-Konflikt. Nach Verzögerungen wurde es inzwischen komplett abgesagt. Die Teilnehmer, die in Longyearbyen auf Spitzbergen warteten, können nur noch nach Hause fliegen. Über die Absage berichtete zuerst Ice People.

Eiscamp Barneo

Eiscamp Barneo (Archivfoto). Foto Leonid Plenkin/ Wikimedia Commons

Das Eiscamp Barneo wurde 18 Jahre lang jedes Frühjahr auf einer Eisscholle nahe des Nordpols errichtet. Es öffnete für Wissenschaftler und Touristen aus aller Welt. Initiator des Eiscamps war der inzwischen verstorbene Alexander Orlow, damals Leiter der Russischen Geografischen Gesellschaft. Dahinter steckt eine aufwändige Logistik, wie ein 2011 gedrehter Dokumentarfilm von Polar News zeigt. Und die stieß in diesem Jahr an ihre Grenzen – des Wetters und der Politik wegen.

Die Basisausstattung für das Camp wird von einer russischen Iljuschin aus Murmansk über der zuvor ausgesuchten Eisscholle abgeworfen. Die Vorbereitungscrew springt mit dem Fallschirm ab. Zu ihrer Ausstattung gehört eine Planierraupe, mit der eine Landebahn auf dem Eis hergerichtet wird. Damit wurde man in diesem Jahr später fertig als ursprünglich geplant. Weitere Ausstattung und die Besucher werden dann über den nächsten großen Flughafen, Longyearbyen auf Spitzbergen, eingeflogen. Dazu wurden bisher ukrainische Antonow 74 genutzt, die aufgrund ihrer Bauweise – Motoren über den Tragflächen – für den arktischen Einsatz besonders geeignet sind.

Russland-Ukraine-Konflikt mit Folgen für Arktis-Abenteurer

Diese Maschinen durften in diesem Jahr aber nicht nach Barneo kommen. Ob nun russische oder ukrainische Behörden daran schuld sind, dazu gibt es verschiedene Versionen (siehe auch Barents Observer und Explorers Web), eine politische Ursache liegt jedoch nahe. Eine kleinere Ersatzmaschine aus Kanada wurde angeheuert, die aber wegen schlechten Wetters zunächst nicht starten konnte. Das Eiscamp hat aber nur eine begrenzte Haltbarkeit, vergangenes Jahr waren es nur zwölf Tage. Das Camp wurde schließlich komplett abgesagt. Laut Barents Observer warteten etwa 250 bis 300 Menschen in Longyearbyen darauf, zum Camp fliegen zu können, und haben bis zu 20 000 Euro dafür bezahlt.  Viele davon wollten dann auf Skiern die letzten 111 Kilometer zum Nordpol laufen.

Eisschollen immer weniger haltbar

Aktuell ist noch die Rede davon, dass das Eiscamp im kommenden Jahr wieder stattfinden soll. Angesichts der immer kürzeren Haltbarkeit dürften sich die Organisatoren irgendwann die Frage stellen, inwieweit der Aufwand noch gerechtfertigt  ist und sich finanzieren lässt.

Nordpol

Die zukünftige russische Forschungsplattform. Foto Admiralitätswerft

Die Nutzung von Eisschollen hat  in der russischen Polarforschung zwar lange Tradition. Die rein wissenschaftlichen Eisdriftstationen hatten jedoch zuletzt ebenfalls darunter gelitten, dass die Schollen nicht mehr so tragfähig sind wie früher. Russland baut deshalb nun eine Plattform, die speziell darauf ausgerichtete ist, mehrere Jahre im Eis driften zu können. Sie soll 2021 einsatzbereit sein. Forscher hätten damit eine zuverlässige und berechenbare Alternative, zusätzlich zu den bereits existierenden Schiffen.

Abenteurer würden das Camp aber sicher vermissen  – eine Kreuzfahrt mit dem Eisbrecher zum Nordpol ist nicht ganz dasselbe.

Frühere Arktikel zum Thema:

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Arktis, Norwegen, Politik, Russland, Spitzbergen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.