Nordpol-Eiscamp Barneo hielt nur zwölf Tage

Arktis. Das diesjährige Barneo-Eiscamp auf einer Scholle nahe des Nordpols war ein kurzes Vergnügen.  Nur zwölf Tage nach der offiziellen Eröffnung musste die Crew wieder zusammenpacken. Darüber berichtete der Barents Observer.

Eiscamp Barneo

Eiscamp Barneo. Foto Leonid Plenkin/ Wikimedia Commons

Initiator des Eiscamps war der im vergangenen Jahr verstorbene Alexander Orlow, der Leiter der Russischen Geografischen Gesellschaft. Seit 2002 wurde es jährlich im Frühjahr durchgeführt. Zum einen diente es als Basislager für Wissenschaftler, zum anderen konnten es  Touristen für einen Sprung zum Pol nutzen. Wie aufwendig die Einrichtung ist, zeigt ein Dokumentarfilm von Polar News von 2011: Ein Frachtflieger aus Murmansk muss erst einmal den Treibstoff für die im Eis wartenden Helikopter abwerfen – damit die eine geeignete Scholle aussuchen können. Das Team des ersten Basislagers springt mit dem Fallschirm ab. Auf der ausgesuchten Scholle schaffen die Männer mit ebenfalls aus der Luft abgeworfenen Planierraupen die Eispiste, auf der die Flüge aus Longyearbyen, Spitzbergen (Norwegen), mit weiterer Ausrüstung und Menschen dann landen können. Dafür wird eine Antonow 74 genutzt. Longyearbyen als nächstgelegener wintertauglicher Flughafen dient als Umschlagplatz.

In dieser Jahr hatte Alexander Orlows Witwe Irina das Camp organisiert. Auf Facebook schreibt sie, die Saison habe sich als kurz erwiesen, doch man habe alles geschafft. Unter anderem gab es einen Marathonlauf zum Pol, viele Skifahrer und natürlich wissenschaftliche Arbeit.

Nordpol

Die zukünftige russische Forschungsplattform. Foto Admiralitätswerft

Laut Barents Observer war es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, geeignete Eisschollen für das Camp zu finden. Das Eis ist nicht mehr stabil genug. Dasselbe Problem hatten auch die russischen Wissenschaftler, die über Jahrzehnte Eisdriftstationen betrieben und auf diese Weise Langzeitmessdaten über die Arktis, den arktischen Ozean und seine Strömungen zusammentrugen. Hier setzt Russland nun auf eine Plattform mit Unterbringungsmöglichkeiten für bis zu 62 Personen, eigenem (konventionellem) Antrieb und Hubschrauberlandeplatz, die auch zwei Jahre autonom auskäme. Ein entsprechender Vertrag wurde vor kurzem mit der Admiraltätswerft (Адмиралтейские верфи) in St. Petersburg unterzeichnet. Die „Северный полюс“ (Sewernij poljus, „Nordpol“) soll 2020 fertig sein.

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Eisdrift-Plattform statt Scholle für russische Forscher

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