Meereis-Minimum 2020 wie erwartet nach Rekord-Sommer

Arktis. Das arktische Meereis-Minimum 2020 war vermutlich am 15. September. Dabei waren laut NSIDC noch 3,74 Millionen Quadratkilometer, laut AWI noch 3,8 Million Quadratkilometer der arktischen Ozeans von Eis bedeckt. Das ist der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Satellitenmessungen vor 42 Jahren. Am geringsten war die Ausdehnung des Meereises im September 2012 (Messung NSIDC: 3,39 Millionen Kubikkilometer, Universität Bremen 3,27 Millionen Kubikkilometer).

Meereis Minimum 2020

Meereis-Minimum 2020. Quelle NSIDC

Das Ergebnis hatte sich über lange Zeit abgezeichnet. Auffällig im Vergleich mit früheren Durchschnittswerten ist vor allem die große Lücke Richtung Sibirien. In den russischen Randmeeren hatte sich laut AWI schon im vergangenen Winter nur dünnes Eis gebildet, weil ablandige Winde es schnell nach Norden geschoben hatten. Dieses Eis brach auch rekord-früh wieder auf. Im Mai und Juni dann lag eine große Warmluftzelle über der sibirischen Küste und hob die Monatstemperaturen auf mindestens sechs Grad über dem früheren Monatsmittel. Man erinnere sich auch an die 38 Grad von Werchojansk, einem Ort nördlich des Polarkreises. Im Juli dann lag die Warmluftzelle über der zentralen Arktis und verschaffte auch Longyearbyen auf Spitzbergen einen neuen Temperaturrekord (21,7 Grad). Ein Sturm verteilte das Eis im kanadischen Sektor. Neben Wärme von oben nagte auch Wärme von unten am Meereis. Zum einen erwärmt sich eisfreies Wasser natürlich schneller. Neue Forschung zeigt laut AWI auch, dass warmes atlantisches Meerwasser im Ostteil des arktischen Ozean verstärkt  an die Oberfläche drängt. Sonst hatte dies in der Tiefe zirkuliert.

Sea Ice Extent comparison 2020

Meereis-Ausdehnung im Vergleich. Quelle NSIDC

Wie sich das praktisch auswirkte, konnte man eindrucksvoll auf den Bildern von der Polarstern am Nordpol sehen: Das Eis war überraschend schwach mit vielen Schmelztümpeln und machte dem Forschungseisbrecher keine Schwierigkeiten. Die Polarstern hat inzwischen die Heimreise angetreten.

 Neben der Ausdehnung ist auch das Volumen ein aufschlussreiches Indiz für den Zustand des arktischen Meereises. Auch in dieser Disziplin gehört die Kurve von 2020 zu denen am unteren Ende. Der Wert für August betrug 5317 Kubikkilometer. Noch weniger hatten 2019 und 2012.

Mit 2020 setzt sich so der Trend zu abnehmender Vereisung fort.

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