Neues Meereis-Minimum im Juli – schlechte Nachricht für Eisbären

Arktis. Noch nie wurde im Juli weniger arktisches Meereis gemessen als in diesem Jahr. Vor allem vor der russischen Küste fehlt es, nach einer langen Hitzewelle über Sibirien. Das ist eine schlechte Nachricht vor allem für die, die darauf leben – Eisbären. Eine neue Studie kommt nun zu dem Schluss, dass bis 2100 ein Großteil der Eisbären ausgestorben sein könnte, wenn die Treibhausgase nicht reduziert werden.

Meereis Arktis Juli 2020

Vor allem an der sibirischen Küste ist weniger Eis als sonst: Die Nordostpassage ist frei. Quelle: NSIDC

Die Ausbreitung und Verteilung von Meereis wird durch viele Faktoren bestimmt. Die entscheidende Rolle spielt die Großwetterlage, und diese wird unter anderem geprägt vom Polarwirbel. Es hat sich aber auch – nicht zuletzt durch die MOSAiC-Expedition – gezeigt, dass dünnes, einjähriges Eis schneller vom Wind zusammengeschoben und fortgetrieben wird als dickere, mehrjährige Schollen. Neben der Ausdehnung des arktischen Meereises ist deshalb auch die Dicke wichtig.

Die aktuelle Karte des National Snow and Ice Data Centers (NSIDC) zeigt die Abweichungen in der Ausdehnung vom statistischen Mittelwert 1981-2010. Deutlich sichtbar ist der Unterschied vor der russischen Küste: Die Nordostpassage ist großräumig eisfrei. Es ist die geringste Ausdehnung des arktischen Seeeises seit Beginn der Messungen.

Meereis Dicke

So dick ist das Meereis noch. Quelle Polarportal

Die Dicke des arktischen Eises lässt sich auf der aktuellen Karte des dänischen Polarportal sehr gut erkennen. Große Teile des jetzt noch vorhandenen Eises sind maximal noch einen Meter dick. Auch in puncto Volumen liegt das arktische Eis unter allen bisher gemessenen Werten. Die Schmelzsaison dauert noch etwa zwei Monate. Wie stark sie sich noch auswirkt und ob am Ende der Saison ein neues Minimum in Volumen oder Ausdehnung steht, hängt wie erwähnt von vielen Faktoren ab.

Neue Studie zu Überlebenschancen von Eisbären

Thematisch passend zur Meereis-Tiefstmarke ist in der vergangenen Woche eine neue Studie zu Eisbären in Nature Climate Change erschienen. Darin wird anhand von zwei Szenarien konkret untersucht, wie sich das schrumpfende Meereis auf die Vermehrung der Tiere und damit den Erhalt des Bestandes auswirken würde. Aus bisherigen Untersuchungen ist bereits klar: Eisbären können enorm lange ohne Nahrung auskommen, und gut schwimmen können sie auch. Wird die Fastenzeit aber zu lang und der Zugang zu Nahrung zu mühsam, fehlt den weiblichen Tieren die Energie, sich selbst und den Nachwuchs durchzubringen. Und nur das stark fetthaltige Robbenfleisch kann den Energiebedarf dauerhaft decken. Um dieses zu erbeuten, brauchen die Eisbären das Eis.

2100 keine Eisbären mehr?

Die Studie kommt zu folgendem Ergebnis: Ohne jeden Einschnitt in die Produktion von Treibhausgasen wird es im Jahr 2100 nur noch sehr wenige Eisbären einer kleinen arktischen Nische geben. Gerechnet wurde dabei mit einer Erwärmung von 3,3 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Zu bedenken ist, dass die Erwärmung des sibirischen Permafrostbodens Methan freisetzt, das ein stark wirksames Treibhausgas ist – und diese Erwärmung ist bereits deutlich in Gang. Mit einer moderaten Reduktion und einem Temperaturanstieg von durchschnittlich 2,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau haben zwar mehr Bären eine Überlebenschance – ihre Existenz ist aber noch nicht langfristig gesichert, solange die Temperaturen weiter steigen. (Ausführlicherer Artikel zum Thema: Not „If“ but „When“: Polar Bears could disappear from most of the Arctic in eighty years, deutsche Version hier).

Frühere Artikel zum Thema:

Video zur neuen Studie von Polar Bears International:

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