Island: Vulkan Öræfajökull weiter unruhig

Island. 160 Erdbeben verzeichnete das isländische meteorologische Institut (Veðurstofa Íslands) vergangene Woche am Öræfajökull – so viele wie noch nie. Als Erklärung gilt, dass in einigen Kilometern Tiefe Magma in das System des Vulkans aufsteigt. Die Wissenschaftler werten dies als Zeichen für einen bevorstehenden Ausbruch – die Frage ist nur, wann.

Gletscher

Gletscher über dem Vulkan: Öræfajökull.
Foto Ágúst J. Magnússon/ Veðurstofa Islands

Die 160 Erdbeben an dem Gletschervulkan  in der 48. Kalenderwoche waren alle nicht sehr heftig – maximal Stärke 1,6. Diese Tendenz setzte sich auch in der laufenden Woche fort: nicht stark, aber häufig. Am Donnerstag und Freitag bebte die Erde rund um den Öræfajökull nach der Statistik von Veðurstofa Íslands rund 30 Mal. Am Berg seien inzwischen noch weitere Messgeräte und Webkameras angebracht worden, um ihm zu überwachen, heißt es im jüngsten Bericht des Zivilschutzes.

Ein weiteres Zeichen für Aktivität ist, dass die vor drei Wochen entdeckte neue Caldera noch tiefer geworden ist. Als Ursache dafür gilt Geothermie unter dem Gletscher – entweder, so zitiert RUV die Wissenschaftler, sei die Stelle weiter geothermisch aktiv oder der Kessel entleere sich nun. Die Caldera ist etwa einen Kilometer lang und nun rund 22 Meter tief. Das Schmelzwasser läuft weiter über den Fluss Kvíá ab.

Erdbeben

Wie auf dieser Karte von Veðurstofa Islands zu sehen
ist, häufen sich die Erdbeben im Süden des großen
Gletschers Vatnajökull – am Öræfajökull. Der Farbcode zeigt,
wann innerhalb der letzten 48 Stunden das Beben
stattfand. Die aktuellsten sind rot.

Die Pläne für eine Evakuierung im Falle eines Ausbruchs liegen nun bereit. Die Sorge der Bewohner in den Siedlungen am Fuße des Berges ist das schlechte Handynetz in dem Gebiet. An der Ringstraße selbst und in vielen Gebäuden funktioniert es noch. Am Berg, wo normalerweise auch Touristen unterwegs sind, gebe es dagegen oft keine Deckung, berichtet beispielsweise Islandsbloggen.  SMS kämen manchmal auch verspätet an. Dabei ist die Warnung per Mobilfunk ein Teil der Maßnahmen bei bevorstehendem Ausbruch. Eile ist dabei geboten, denn der Gletscher könnte so schnell schmelzen, dass eine Flutwelle bereits nach 20 Minuten die Straße und Gebäude erreicht.

Der Öræfajökull ist zwar zurzeit der einzige isländische Vulkan, dessen Status auf der Flugkarte mit gelb für erhöhte Aktivität angegeben ist. Es machen jedoch auch andere immer wieder mit Erdstößen auf sich aufmerksam, beispielsweise der Bárðarbunga.

Die zahlreichen Beben auf Island sind aber nicht nur auf vulkanische Aktivitäten zurückzuführen, sondern häufig auch auf die Bewegungen der Erdplatten. Das heftigste Beben in der Region mit der Stärke 3,6 in den vergangenen Tagen ereignete sich  gut 500 Kilometer nördlich von Island – kurz vor den kleinen norwegischen Insel Jan Mayen.

Update:  Beben Stärke 4,1 am Bárðarbunga Samstagmorgen, 9.12.

Frühere Artikel zur Lage am Öræfajökull:

 

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