Grönlands Traum vom Öl bald vorbei?

Grönland. Ein Land, das große Ölvorkommen sein eigen nennen kann, hat ausgesorgt. So war es jedenfalls bisher. Darauf hoffte auch Grönland, als ihm 2008 neue Untersuchungen nicht nur westlich, sondern auch östlich der Insel die Chance auf große Öl- oder Gasvorkommen bescheinigten. Doch bisher sieht es nicht aus, als ließe sich damit Geld machen: Bei der jüngsten Bieterrunde für Suchlizenzen in der Baffin-Bucht meldete sich überhaupt kein Interessent. Darüber berichtete Sermitsiaq.

Grönland

Ilulissat, Grönland. Foto Thomas Christiansen

Vor einigen Jahren war das noch anders. Die schottische Ölgesellschaft Cairn investierte ungerechnet  rund 940 Millionen Euro und führte 2010/2011 acht Probebohrungen und seismische Messungen durch. Das Ergebnis war für das Unternehmen allerdings enttäuschend – die wenigen Funde lohnen sich wirtschaftlich nicht. Weitere Gesellschaften sind in Westgrönland nicht mehr aktiv.

Als noch ertragreicher gilt in der Theorie Ostgrönland. Dafür sind aktuell sieben gültige Suchlizenzen vergeben. Im nun angebrochenen Jahr 2018 läuft die erste Phase für diese aus – dann müssen sie entweder aktiv werden oder die Lizenz zurückgeben. Die Gesellschaften seien dabei, die Daten aus geologischen und geophysischen Untersuchungen zu zu analysieren, zitiert Sermitsiaq den Direktor von Grönlands staatlicher Firma Nunaoil, die an allen Untersuchungen beteiligt ist. Die grönländische Zeitung nennt 2018 deshalb das „Schicksalsjahr für Grönlands Ölträume“.

„Das fehlende Interesse war zu erwarten, denn die Suchaktivitäten der Öl- und Gasindustrie haben weltweit abgenommen“, kommentierte das zuständige Ministerium in Grönland in einer Pressemitteilung das Desinteresse der Unternehmen an weiteren Untersuchungen in der Baffin-Bucht. Als Begründung gilt der aktuell niedrige Ölpreis.

Als 2015 die ersten Gesellschaften ihre Lizenzen zurückgaben, fand die dänische Zeitung Politikken eine ganze Reihe von Gründen, warum Ölgesellschaften von der Insel „flüchten“: schlechte Infrastruktur, ein extrem schwieriges Klima, ein Umdenken angesichts möglicher Risiken sowie Zweifel angesichts der  Frage, wie groß die Nachfrage nach Öl in einigen Jahrzehnten überhaupt noch sei. All diese Faktoren dürften weiter eine Rolle spielen.

Die grönländische Selbstverwaltung hatte gehofft, mit den Lizenzen für Öl und Bergbau die finanzielle Abhängigkeit vom Mutterland Dänemark zu reduzieren und damit die Basis für  eine echte Unabhängigkeit zu schaffen. Dieses Konzept ist bisher nicht aufgegangen.

Umweltverbände gegen Ölförderung in der Arktis

Umweltverbände hatten von Anfang an gegen eine Ölförderung in diesen arktischen Gebieten protestiert, da ein Unfall dort noch größere Folgen hätte als anderswo. Greenpeace-Aktivisten hängten sich sogar direkt ans Bohr-Rigg. Öl baut sich bei niedrigen Temperaturen schlechter ab. Die Gefahr eines Unfalls ist aufgrund des Eises aber größer als in wärmeren Gegenden. Dieses Risiko scheint nun – zumindest in diesem Fall – auch den Ölfirmen zu hoch.

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