Flughafen-Aufträge: Zu viel China auf Grönland?

Grönland. Bekommt China zu viel Einfluss auf Grönland? Diese Befürchtung hegen manche, seit eine chinesische Firma sich für den Bau der drei neuen grönländischen Flughäfen beworben hat. Darüber berichtete unter anderem Sermitsiaq.

Flughafen Ilulissat

Flughafen Ilulissat. Foto Thomas Christiansen

Bisher hat Grönland nur einen Flughafen, auf dem Maschinen aus Europa oder Nordamerika landen können – Kangerlussuaq. Die lange Startbahn gehörte früher zu einem amerikanischen Militärstützpunkt, ist inzwischen aber stark sanierungsbedürftig. Statt die Piste in der abgelegenen Gegend voll zu sanieren, will Grönlands Selbstverwaltung lieber ein ganz neues Konzept: Startbahnverlängerung für die Hauptstadt Nuuk und für Ilulissat, wo die Touristen gerne den Eisfjord besichtigen. Dort sollen dann auch internationale Flüge direkt landen können. Und Qaqortoq in Südgrönland soll einen Regionalflughafen mit 1500-Meter-Startbahn bekommen. Bisher kann man dort nur mit dem Helikopter landen. Straßen zwischen den Orten gibt es in Grönland nicht.

Das Projekt ist wegen seiner Kosten umstritten, aber schon kurz vor der Umsetzung. Die staatliche grönländische Flughafengesellschaft Kalaallit Airports A/S hat bereits das Vorhaben ausgeschrieben, von elf Anbietern sind sechs ausgewählt worden, die nun ein Angebot für die Anlagen abgeben dürfen. Dabei handelt es sich um zwei dänische Firmen (die Munck-Gruppe A/S und MT Høygaard A/S), eine dänisch-isländische Kooperation (Aarsleff – Ístak Joint Venture), die niederländische BAM International bv., das kanadische Pennecon Dexter Joint Venture sowie die staatliche chinesische China Communications Construction Company Ltd. (CCCC).

Grönland Flughäfen

Alte und neue Flughafen-Standorte in Grönland.
Karte mit Hilfe von stepmap

Gegen letztere richtet sich nun die Kritik. Denn Grönland ist nicht irgendeine abseits gelegene Insel voller Eis, sondern ein strategisch wichtiger Punkt der NATO mit einem amerikanischen Militärstützpunkt. Als selbstständiger Teil im Königreich Dänemark ist Grönland auch NATO-Mitglied.  „Wir sind tief besorgt. China hat in Grönland nichts zu suchen“ zitiert die Nachrichtenagentur Reuters anonym einen hohen dänischen Beamten. Dänemark habe eine große Verantwortung gegenüber seinem engsten Verbündeten, den USA. Der dänische Außenminister Anders Samuelsen bestritt allerdings laut Sermitsiaq, dass dies die Haltung der dänischen Regierung sei. Angesichts des laufenden Wahlkampfes hält sich die dänische Regierung sowieso zurück mit jeglichen Aussagen über Grönland. Am 24. April wird ein neues grönländisches Parlament (Inatsisartut) gewählt.

Nicht alle Kritiker bleiben anonym: Konteradmiral Nils Wang, Leiter der Hochschule der dänischen Streitkräfte (Forsvarsakademiet) äußert seine Warnung vor zu viel chinesischem Einfluss öffentlich gegenüber Sermitsiaq. Und es ist auch nicht das erste Mal: 2016 verhinderte der dänischen Premierminister Lars Løkke Rasmussen persönlich den Verkauf der ehemaligen Marinebasis Grønnedal an chinesische Interessenten.

Air Greenland

Air Greenland in Kangerlussuaq.
Foto Thomas Christiansen

Die grönländische Regierung (Naalakkersiusut), immer auf der Suche nach Investoren und Einnahmequellen, war bisher jedoch offen zur Zusammenarbeit mit China. Vergangenen Oktober waren Premierminister Kim Kielsen und weitere Regierungsmitglieder sogar zu Gesprächen nach China gereist. Daraufhin warnte der Nachrichtendienst des dänischen Militärs (Forsvarets Efterretningstjeneste) vor einem Einfluss Chinas auf Grönland über die Investitionen.

Viele Grönländer wünschen sich die Unabhängigkeit von Dänemark. Bisher ist die Insel jedoch finanziell von Dänemark abhängig.

Aktuell liegt die Flughafenplanung brach – die Entscheidung für einen Anbieter wird die neue Regierung treffen. Es gibt aber auch Parteien, die das ganze Paket noch einmal aufschnüren wollen. Eigentlich sollte im Oktober Baubeginn für die Startbahn in Nuuk sein.

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