Erster Tanker im Februar durch die Nordostpassage

Russland.  Die einen sorgen sich um das schrumpfende arktische Meereis. Den anderen kann es nicht schnell genug gehen. Der russische Flüssiggastanker Christophe de Margerie absolvierte als erstes kommerzielles Schiff die Nordostpassage im Februar, von China zum Hafen Sabetta auf der Halbinsel Yamal. Damit sollte nicht zuletzt demonstriert werden, dass der Nördliche Seeweg, wie er offiziell heißt, beinahe ganzjährig genutzt werden kann. Darüber berichtete der Barents Observer.

Christophe de Margerie

Christophe de Margerie. Foto Sovcomflot

Die Christophe de Margerie war der erste der heute 15 eisbrechenden Flüssiggastanker, die Gas von der Produktionsstätte von Nowatek bei Sabetta auf der Yamal-Halbinsel abtransportierten. Vorab legte das 299 Meter lange Schiff im Sommer 2017 die Strecke nach Osten als erster Tanker ohne Eisbrecherbegleitung zurück. Seit Beginn der Produktion von Nowatek auf Yamal sind viele weitere Rekorde gefallen. Während die Christophe de Margerie am 5. Januar von Sabetta nach China aufbrach, war die Nikolai Zubow in der Gegenrichtung unterwegs, beide ohne Eisbrecher.

Am 27. Januar verließ die Christophe de Margerie den chinesischen Hafen Jiangsu wieder Richtung Norden und passierte am 3. Februar Kamtschatka. Für die schwierigen Passagen durch das dickste Eis kam ihr der Atomeisbrecher 50 Let Pobedy entgegen. Am 19. Februar erreichte der Tanker Sabetta. In der Pressemitteilung von Betreiber Sovcomflot bezeichnet der Tankerkapitän die Tschuktensee und die Ostsibirische See mit Presseis und Eiswällen als die schwierigsten Passagen. Durch diese habe man rückwärts fahren müssen. Insgesamt sei der Tanker etwa zehn Prozent der Zeit auf dem Nördlichen Seeweg rückwärts gefahren.

Kein mehrjähriges Eis mehr in der Nordostpassage

Früher war die Nordostpassage nicht einmal im Sommer einfach zu befahren. Doch immer seltener überlebt das Eis dort den Sommer. Im vergangenen Jahr war es dort lange überdurchschnittlich warm, und als die Viermastbark Sedow im Herbst den Nördlichen Seeweg nach Hause nahm, traf sie dort Anfang Oktober noch kein Eis an. Inzwischen hat die russische Arktis auch kalte Phasen erlebt und das Eis ist auf bis zu zwei Meter angewachsen. Mehrjähriges Eis gibt es aber nicht mehr auf der Strecke. Das zeigen auch die russischen Eiskarten. Bis März wächst das Eis normalerweise noch weiter.

Mehr Schiffsverkehr, mehr Risiko

Für eine Fracht von Sabetta nach China ist die Nordostpassage selbstverständlich der kürzeste Weg, was Treibstoff spart und insofern zu begrüßen ist. Eine Passage durch Eis ist für das Schiff aber immer mit einem höheren Risiko verbunden – was nicht zuletzt der Schaden an der Nikolaj Jewgenow zeigt, von dem der Barents Observer berichtet. Mit Nowateks Produktion in Yamal ist der Verkehr enorm gestiegen. Weitere Projekte an der russischen Arktisküste sind im Bau. Damit steigt auch die Gefahr von Umweltschäden in dieser sensiblen Region.

Früherer Artikel zum Thema:

Mit diesem Video von der Passage wirbt nun Rosatom für den nördlichen Seeweg:

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