Åland: demilitarisierte Inselgruppe in der Nato-Diskussion

Åland. Was hat die Krim mit den Åland-Inseln zu tun? Nach dem Krim-Krieg 1853-1856 begann Ålands Status als demilitarisiertes und neutrales Gebiet. Damals gehörte Åland noch zum russischen Kaiserreich, heute ist es ein autonomes schwedischsprachiges Gebiet innerhalb Finnlands – und nach wie vor demilitarisiert und neutral. Etwas unklar ist, wie das praktisch aussehen würde, wenn Finnland sich für einen Nato-Beitritt entscheidet. Die Nato-Entscheidung steht in den nächsten Wochen an.

Åland

Åland – eine autonome, demilitarisierte Inselgruppe. Foto falco/ pixabay

Die Vorgeschichte ist etwas länger. Bekanntlich gehörte Finnland über Jahrhunderte zum Königreich Schweden. Bis Schweden erneut einen Krieg gegen Russland verlor und 1809 Finnland abtreten musste. Die Grenze wurde im Norden entlang Tornefluss und Muonio gezogen, im Süden westlich der Åland-Inseln. Damit wurden die Inseln Teil des finnischen Großherzogtums in Russland.

Auf den Krim-Krieg 1853-1856 kann hier nicht ausführlich eingegangen werden. Er begann als russisch-osmanischer Krieg, bei dem sich Frankreich, Großbritannien und Sardinien-Piemont an die Seite des Osmanen stellten. Frankreich und Großbritannien griffen Russland dabei auch im Norden über die Ostsee an – darunter Häfen und Werften in Finnland sowie Åland. Dort war gerade eine Festung gebaut wurden, die aber noch nicht fertig war. Die russische Garnison auf Åland musste kapitulieren. Beim Friedensschluss von Paris 1856 wurde auch die Zukunft der Ostsee-Inselgruppe geregelt, im Ålandsservitut. Sie sollte künftig demilitarisiert sein.

1917 erklärte Finnland sich für selbstständig. Es folgten noch drei weitere Verträge, die diesen demilitarisierten Status ebenfalls festschrieben:

  • die Ålandskonvention 1921, die auch eine weitgehende Autonomie festschreibt, also in derselben Zeit und mit demselben Zeitgeist wie der Spitzbergenvertrag,
  • der Vertrag zwischen Finnland und der Sowjetunion bezüglich der Åland-Inseln 1940 nach dem finnisch-russischen Winterkrieg
  • der Friedensvertrag von Paris 1947

Keine Waffentransporte über Mariehamn

Der demilitarisierte Status heißt heute unter anderem, dass keine Waffen mit Fähren transportiert werden dürfen, die über Mariehamn fahren. Selbst die finnische Armee hat nur ein beschränktes Aufenthaltsrecht auf der Inselgruppe in Friedenszeiten. Es ist allerdings ihre Aufgabe, die Inselgruppe bei einem Angriff zu verteidigen. Völlig anachronistisch wirkt heute, dass Russland/die Sowjetunion diesen demilitarisierten Status nach dem Vertrag von 1940 durch seinen Konsul in Mariehamn überwachen sollte. Bis heute gibt es ein Konsulat dort.

Bisher keine finnischen Soldaten auf Åland

Während Schweden bereits im Januar mehr Soldaten und Gerät auf die Insel Gotland geschickt hat, sind die Åland-Inseln bisher weiterhin militärfrei. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht die Selbstverwaltung von Åland auch keinen Anlass dazu, das zu ändern. Man verfolge aber die Lage, tausche sich mit Helsinki aus und sei nicht naiv, so die åländische Regierungschefin Veronica Thörnroos zu Yle. Welche Auswirkungen der festgeschriebene demilitarisierte und neutrale Status im Rahmen einer möglichen Nato-Mitgliedschaft hätte, wurde gerade in den Medien diskutiert. Neu ist die Situation aber nicht: Norwegen ist schon lange Nato-Mitglied, Spitzbergen ist aber ebenfalls demilitarisiert und neutral.

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