Welterbe Laponia: Natur, Kultur und ein Verwaltungsexperiment

Jokkmokk/Gällivare (Schweden). Das Unesco-Welterbegebiet Laponia ist einzigartig in vielerlei Hinsicht: Es umfasst vier Nationalparks und zwei Naturreservate und ist gleichzeitig Teil des Lebensraumes von neun samischen Gemeinschaften. Auch das  Verwaltungsmodell ist ungewöhlich – die Beteiligten haben sich gerade auf einen Kompromiss geeinigt.

Laponia

Blick auf Laponia. Foto Carl-Johan Utsi

Das Gebiet  umfasst ganz unterschiedliche Landschaftsformen – von Sumpfgebieten bis zum Hochgebirge. Gleichzeitig ist es eine Gegend, die praktisch seit dem Rückzug der Gletscher besiedelt wurde – von den Samen, die zunächst von der Jagd auf wilde Rentiere lebten, bevor sie sie (halbwegs) zähmten. Die Unesco -Auszeichnung von 1996 würdigt beides: Geologische und biologische Bedeutung sowie eine nachhaltige Kultur, die bis heute lebendig ist. Für die Rentierhalter von neun samischen Kooperativen ist Laponia Teil ihres „Arbeitsplatzes“, wo die Tiere sich je nach Jahreszeit aufhalten – aber auch darüber hinaus. Für die Kooperativen, „Samebyar“, war der Einfluss auf die Verwaltung des Gebietes deshalb sehr wichtig.

Gleichzeitig ist es eine Region, die auch von touristischer Bedeutung ist: Kungsleden, Padjelantaleden, Nordkalottleden und weitere durchqueren sie. Der Kontrast zwischen alpinen Spitzen und Gletschern zu grünen Tälern, Wald, Flüssen und Seen zieht im Sommer Wanderer und im Winter Skiläufer an. Und natürlich darf man hier, ein Stück nördlich des Polarkreises, auf Polarlichter hoffen, sobald es nachts dunkel genug ist. An den Besuchern sind auch die Kommunen Jokkmokk und Gällivare interessiert, auf deren Gebiet Laponia liegt.

Laponia

Das Unesco-Gebiet Laponia in Nordschweden reicht bis zur norwegischen Grenze. Karte sel mit stepmap

In einem mehr als zehn Jahre dauernden Entwicklungsprozess wurde 2013 ein maßgeschneidertes Verwaltungsmodell zunächst probeweise eingeführt. Verantwortliches Gremium  für Pflege und Unterhalt des Welterbes ist Laponiatjuottjudus, eine Vereinigung, in der Vertreter der Samenkooperativen, der Kommunen Jokkmokk und Gällivare, der Naturschutzbehörde und der Regionsverwaltung vertreten sind. Beschlüsse müssen im Konsens gefasst werden.

Die Samen-Vertreter haben dabei die Mehrheit und hatten in der Vergangenheit auch darauf bestanden, den Vorsitz zu stellen. Insbesondere die Kommune Jokkmokk war damit zuletzt unzufrieden und hatte sich sogar schon für ein Ende des Modells ausgesprochen, wie SVT berichtete. Nun haben sich die Beteiligten bei einem Sondertreffen auf einen Kompromiss geeinigt: Man wird sich beim Vorsitz abwechseln, die Samenkooperativen sind jeweils vier Jahre lang dran, die Kommunen zwei Jahre. Damit ist nun auch Jokkmokk zufrieden.

Infozentrum in Viedás, Museum in Jokkmokk

Zum Welterbe Laponia gehören die Nationalparks Sarek, Padjelanta, Stora Sjöfallet und Muddus sowie die Naturreservate Sjávnja und Stubbá. Ein Informationszentrum dazu steht auf einer Landspitze in Viedás, auch bekannt als Stora Sjöfallet, erreichbar per Bus von Gällivare aus oder mit dem Auto über die E45. Nördlich von Porjus führt dann eine abzweigende Straße 92 Kilometer nach Westen zum Naturum. Im Sommer kann man auch das Boot von Saltaluokta nehmen. Es von März bis September geöffnet.

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Infos zu Laponia in Kvikkjokk

Frei zugängliche Informationstafeln findet man aber auch an anderen Zugängen zu Laponia, bei Jokkmokk, Kvikkjokk, Porjus und Gällivare. Umfangreiche Informationen über die Natur in Laponia und die samische Kultur gibt es außerdem im ganzjährig geöffneten Museum Ájtte in Jokkmokk.

 

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