Walfang vor Island geht weiter

Island. Der Walfang vor Island geht weiter. Am Montagabend veröffentlichte der zuständige Minister seine Entscheidung darüber und die Quoten bis 2023: Danach dürfen jährlich 217 Minkwale (Zwergwale) und 209 Finnwale erlegt werden, davon 161 Finnwale im Bereich Ostgrönland/Westisland und 48 zwischen Ostisland und den Färöer.

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Die Waljagd auf Island geht weiter. Foto hard to port

Dass die Regierung dabei nicht einer Meinung ist, ist bekannt: Premierministerin Katrín Jakobsdóttir und Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson sind enttäuscht, die beiden und ihre gesamte Partei, die Links-Grünen, halten Walfang nicht für nachhaltig. Fischereiminister Kristján Þór Júlíusson verweist auf das Memorandum des isländischen Meeresforschungsinstitutes, das die Quote nach den Bewirtschaftungsmodellen des IWC festgelegt hat, und darauf, dass die Bestände der beiden Arten vor Island nicht gefährdet sind. Er beruft sich außerdem auf das Gutachten von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität. Dieses wurde allerdings auf Island von vielen Seiten kritisiert. Die Partei des Fischereiministers, die Unabhängigkeitspartei (Sjálfstæðisflokkurinn) ist die größte Fraktion und für Walfang, ebenso wie der dritte  Koalitionspartner Framsóknarflokkurinn, die Fortschrittspartei. Dass der Fischereiminister aber gar keine Rücksicht auf  die Links-Grünen genommen habe, werde dort parteiintern weitere Diskussionen auslösen, meint Islandsbloggen.

Erstmals eigene Rote Liste für Island

Das isländische Institut für Naturgeschichte hat erstmals eine nationale „rote Liste“ nach den internationalen Kriterien des IUCN aufgestellt. So ist der Grauwal in isländischen Gewässern wie auch in Europa nicht mehr existent  (regionally extinct), weltweit ist er aber als „least concern“, als „nicht gefährdet“, eingestuft.

Seehund (Phoca vitulina) und Atlantischer Nordkaper gelten im Bereich Island als „critically endangered“ – vom Aussterben bedroht. In Europa und weltweit geht es dem Seehundsbestand jedoch gut. Der Nordkaper ist dagegen anderswo auch nicht viel besser dran. Der Blauwalbestand gilt vor Island „nur“ als „gefährdet“, weltweit als „stark gefährdet“. Minkwale sind nach der Liste weder vor Island noch sonstwo im Bestand bedroht. Sie sollen allerdings ihrem Futter hinterher etwas nach Norden gezogen sein, schreibt das Meeresforschungsinstitut.  Der Finnwal dagegen ist zwar vor Island zahlreich genug für die Einstufung als „nicht gefährdet“, weltweit ist der Bestand aber „gefährdet“.

Nicht alles, was erlaubt ist, muss auch umgesetzt werden. Islands letzter verbliebener Walfang-Reeder, Kristján Loftsson, hängt zwar sichtlich mit Leib und Seele an seinem blutigen Geschäft. Vergangenes Jahr erlegten die Mannschaften seiner Hvalur hf   144 Finnwale und zwei Finnwal-Blauwal-Hybriden. Der Reykjavik Grapevine erinnert aber an eine Geschichte, die das isländischen Viðskiptablaðið (Wirtschaftsblatt) 2015 veröffentlichte: Bei näherem Hinsehen war der Betrieb Hvalur hf defizitär. Und der einzige Abnehmer für Finnwal-Fleisch ist Japan.

Frühere Artikel zum Walfang vor Island:

 

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