Unterschiedliche Ansichten zu Walfang auf Island

Island. Wie denken die Isländer selbst darüber, dass in diesem Jahr wieder Wale gefangen werden sollen? Sehr unterschiedlich, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes MMR zeigt. Es gibt ebensoviele Gegner wie Befürworter und ein Drittel bezog gar keine Stellung.

Finnwale

Finnwale. Foto Janice Waite/ National Marine Mammal Laboratory

Zwei Jahre lang hatte Hvalur hf, das einzige Unternehmen, das noch Finnwale jagt, eine Pause eingelegt: Man wurde das Walfleisch einfach nicht los, nicht einmal nach Japan. In diesem Jahr rechnet man sich aber bessere Chancen aus, der Plan steht. Nach der  von der isländischen Behörde festgesetzten Quote dürfte Hvalur hf fast 200 Finnwale fangen. Im Juni soll es losgehen.

Von den Befragten, insgesamt 961 Personen über 18 Jahre, waren 18 Prozent „sehr dagegen“, dass wieder Großwale gefangen werden, und 16 Prozent „sehr dafür“. Nimmt man auch noch die dazu, die sich „eher“ positiv oder negativ geäußert haben, haben beide Blöcke 34 Prozent. 31 Prozent hatten keine Meinung zum Thema.

Unter den Befürwortern sind deutlich mehr Männer als Frauen. Mehr Frauen als Männer blieben unentschieden. Bei den Altersgruppen gibt es keine einheitliche Tendenz: Es sind die über 68, die am stärksten dagegen sind (25 Prozent „sehr“, 13 Prozent „eher“), aber unter den Jungen (18-29 Jahre) gibt es die wenigsten Befürworter (13 „sehr“, 16 Prozent eher“). Die Unterschiede sind aber insgesamt nicht sehr groß.  Sehr großen Einfluss hat aber offenbar das Bildungsniveau: Befragte mit Hochschulabschluss sind zu 47 Prozent „sehr“ oder „eher“ gegen Walfang und es gibt nur 24 Prozent insgesamt, die sehr oder eher dafür sind.

Walschutzgebiet

Alter Leuchtturm Garðskagaviti – Grenze des Walschutzgebietes der Faxaflói-Bucht.

Sehr groß sind auch die Unterschiede mit Blick auf die Parteipräferenzen: Mehr Walfang-Befürworter als Gegner gibt es unter den Anhängern der aktuellen Regierungsparteien Framsóknarflokkurinn ( Fortschrittspartei) und Sjalfstæðisflokurinn (Unabhängigkeitspartei). Bei den Anhängern des dritten Koalitionspartners Vinstri-Græn, den Links-Grünen, ist es genau umgekehrt. Das entspricht  der Haltung der Parteien. Diese Konstellation lässt auch keine Verbesserung des Walschutzes in dieser Legislaturperiode erwarten.

Neben dem Finnwal-Jäger Hvalur Hf gibt es auch noch IP-út­gerð, die Minkwale für den einheimischen Verbrauch und für die Touristen jagen. Sie wollen ebenfalls im Juni loslegen. Die Reederei hatte Protest gegen die Grenzen des noch von der Ministerin der Vorgängerregierung ausgeweitete Walschutzgebiet in der Faxaflói-Bucht eingelegt. Denn in dem neuen geschützten Teil waren in der Vergangenheit die meisten Wale gefangen worden. Der Protest war jedoch nicht erfolgreich. Nun müssen die Walfänger weiter hinausfahren, was die Sache unwirtschaftlicher macht. Gästen auf den Whale-Watching-Booten, die im Schutzgebiet unterwegs sind, bleiben so auch die blutigen Szenen erspart.

Vor drei Wochen wurde in den Medien von einem Zwischenfall mit einem großen Wal vor Höfn berichtet: Er war unter ein Fischerboot geschwommen und hatte es schwer beschädigt. „Ist es Rache?“ fragte daraufhin der Reykjavik Grapevine.

Frühere Artikel über Walfang:

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Island veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Unterschiedliche Ansichten zu Walfang auf Island

  1. Auch als Nichtskandinavier fehlt mir jedes Verständnis für den Walfang, zumal illegaler Fang noch dazu gerechnet werden muß. Aus den Befragungen der Einheimischen geht eigentlich hervor, daß dieses Thema auch nicht mehr so brennend ist. Für Touristen sollte man keine mehr fangen, ohne Walfleisch werden die auf Island auch nicht verhungern, und Japan scheintnauch keinen großen Bedarf mehr zu haben. Also wozu noch diese unsinnige Fangtradition?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.