Vulkan Katla schläft nicht – er produziert CO2

Island. Vor 100 Jahren brach der isländische Vulkan Katla zum letzten Mal aus. Seitdem liegt der Gletscher darüber, Mýrdalsjökull, scheinbar ungestört. Doch neueste Untersuchungen zeigen: Katla produziert CO2 – und zwar 12-24 000 Tonnen am Tag. Darüber berichtete RÚV, die Studie dazu erschien gerade bei AGU.

Katla

Der Vulkan Katla unter dem Gletscher Mýrdalsjökull und sein Nachbar Eyjafjallajökull. Quelle Google Earth/ Landsat/ Copernicus/IBCAO

Katla ist einer der größten und aktivsten Vulkane Islands. In der Vergangenheit brach er regelmäßig alle 40 bis 80 Jahre aus. Deshalb halten viele die nächste Eruption für überfällig. Anzeigen dafür wie Erdbeben oder Schwefelgeruch hatte im schon  im vergangenen Jahr gegeben. Zuletzt gab es am 2. August einen Erdstoß von 3,6, kleinere kommen häufiger vor.

Was der Vulkan sonst noch tut, haben Wissenschaftler aus Island und von der britischen Universität Leeds entdeckt: Katla gehört zu den größten vulkanischen CO2 -Produzenten weltweit. Gemessen wurde dies bei Überflügen mit speziellem Meßgerät im Oktober 2016 und 2017. Die Menge sei zu groß für einen geothermischen Ursprung, so die Vulkanologin Evgenia Ilyinskaya bei RÚV. Sie und ihre Kollegen gehen davon aus, dass sich im Berg unter der Eiskappe die Magmakammer wieder füllt. Auch Methan und Schwefel waren bei der Untersuchung gemessen worden. Man müsse Katla genau beobachten – es sei etwas im Gang. Wann genau etwas passiere, könne man jedoch nicht sagen.

Erfahrungen von anderen Vulkanen zeigten, dass der Kohlendioxid-Ausstoss vor einem Ausbruch stärker werden, so Ilyinskaya. Darüber können die Wissenschaftler bei Katla nach nur zwei Messungen noch keine Auskunft geben, wollen aber die Serie fortsetzen. In der Studie regen sie außerdem an, auch andere Gletschervulkane daraufhin zu untersuchen. Dort sei bisher seltener gemessen worden, weil es schwieriger sei. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen sorgt allein Katla für vier Prozent der weltweiten CO-Produktion durch Vulkane, Eruptionen nicht eingerechnet.

Waren Gletscherläufe eigentlich Katla-Ausbrüche?

Der isländische Professor Páll Einarsson glaubt übrigens, dass Katla seit 1918 bereits drei Mal wieder ausgebrochen ist. Die Eruptionen seien aber nicht stark genug gewesen, um den Eispanzer des Mýrdalsjökull zu durchbrechen. Darüber berichtete damals Vísir. So hatten im Juni 2011 Wassermassen aus dem Gletscherfluss Múlakvísl die Brücke darüber weggespült („Kötluhlaup“) und damit die Ringstraße unterbrochen. Ähnliche Ereignisse gab es 1999 und 1955. Nicht alle Kollegen teilten seine Meinung, doch das hänge auch davon ab, wie man „Ausbruch“ definiere, so der Professor bei Vísir.

Eine Katla-Eruption, die den Eispanzer durchbricht, könnte ziemlichen Schaden anrichten. Katla ist viel größer als der benachbarte Eyjafjallajökull, der 2010 ausbrach und den europäischen Flugverkehr mit seiner Aschewolke lahmlegte.

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