Schweden: Ein Schritt weiter auf dem Weg zum Atommüll-Endlager

Schweden. Die schwedische Regierung gibt grünes Licht für das weitere Verfahren zur Endlagerung von Atommüll. Das erklärte Ministerin Annika Strandhäll gestern öffentlich.  Das unterirdische Endlager soll am Kraftwerk Forsmark in der Kommune Östhammar entstehen. Der Beschluss ist ein deutliches Zeichen für die Veränderung der Politik nach dem Ausscheiden von Miljöpartiet aus der Regierung.

Endlager Forsmark

Endlager Forsmark. Quelle SKB/ Foto Lasse Molin

Das unterirdische Endlager in Forsmark wird ähnlich funktionieren wie das im finnischen Onkalo. Die Forschung dafür wurde teilweise auch gemeinsam betrieben, allerdings ist Finnland schon weiter im Prozess. Die Brennstäbe sollen zunächst in eine gusseiserne Form gefüllt und mit Kupfer ummantelt werden. Danach sollen sie in 500 Meter Tiefe im Grundgebirge versenkt und später mit Bentonit versiegelt werden. In Finnland ist das Lager bereits im Bau, die Betriebsgenehmigung wurde vor kurzem beantragt. Die ersten Brennstäbe sollen bereits 2025 dort eingelagert werden. In Schweden wird nun zunächst das Boden- und Umwelt-Gericht die Bedingungen festlegen, auch die Strahlenschutzbehörde ist involviert. Dann erst kann der Bau beginnen. Bauherr und Betreiber ist SKB (Svensk kärnbränslehantering), ein gemeinsames Unternehmen der schwedischen Atomkraftunternehmen.

Zweifel an der Kupferhülle

Der frühere Minister Per Bolund von der grünen Miljöpartiet hatte die Entscheidung über das weitere Endlager-Verfahren lange hinausgezögert. Er argumentierte damit, dass es Zweifel an der langfristigen Haltbarkeit der Kupferhülle gebe, die vorab geklärt werden sollten. Diese Zweifel gibt es. Die Opposition sah darin allerdings vor allem eine Verzögerungstaktik, um die Zukunft der Atomkraft in Schweden zu erschweren. Bolund gab sein Amt im November auf, als Miljöpartiet sich aus der Regierungszusammenarbeit zurückzog. Dass mit der neuen Ministerin nun so schnell eine Entscheidung kommt, zeigt einen Richtungswechsel der nun allein regierenden Sozialdemokraten in den letzten Monaten vor der Wahl im September.

Die bürgerlich-rechte Opposition will die Atomkraft ausbauen wie in Finnland. Sozialdemokraten, Linkspartei und  Miljöpartiet wollen die verbliebenen Atomkraftwerke langfristig durch erneuerbare Energien ersetzen – zumindest ist so die offizielle Haltung. Bei einem Volksentscheid im Jahr 1980 stimmte die Mehrheit dafür, dass alle Werke bis spätestens 2010 abgeschaltet werden. Es laufen aber immer noch sechs Reaktoren und produzieren 30 Prozent des Strombedarfs: Ringhals 3 und 4, Oskarshamn 3 und Forsmark 1,2 und 3.

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