Robbenmangel: Eisbären entdecken Rentiere als Alternative

Spitzbergen (Norwegen). Während die Vorbereitungen zum Klimagipfel in Glasgow auf Hochtouren laufen,  studieren Forscher auf Spitzbergen bereits die vielen Auswirkungen des Klimawandels. So greifen Eisbären dort zunehmend Rentiere an, berichtet Science, und erstmals wurde ein solcher Angriff auch gefilmt. Eine Untersuchung dazu ist gerade in Polar Biology erschienen.

Eisbär

Eisbär unterwegs. Foto pixabay

Eisbären sind bekanntlich Spezialisten darin, Robben an Eislöchern aufzulauern. Ihr Organismus ist an das fettige Robbenfleisch angepasst, das ihnen die nötige Energie für das Leben in der Arktis liefert. Nachdem die eisfreie Zeit immer länger wird, dokumentieren Wissenschaftler zunehmend Versuche der Bären, sich an Land zu ernähren. So haben sie wiederholt Eier aus den Nestern bodenbrütender Vögel geraubt – nicht sehr nahrhaft für einen Eisbären, aber schlecht für den Vogelbestand. Zunehmend werden nun auch Angriffe auf Rentiere gesichtet. Im vergangenen Jahr passierte dies fast direkt vor der polnischen Forschungsstation in Hornsund, an der Bucht mit dem passenden Namen Isbjørnhamna. Dort schaffte es eine Eisbärin, einen erwachsenen, gesunden  Rentierbock zu erlegen, obwohl er vor ihr ins Wasser flüchtete. Der Koch der Station filmte das Geschehen. Einen Tag später wurde die Bärin in der Nähe mit einer weiteren Rentierbeute beobachtet.

Weniger Eis, mehr Begegnungen

Dass Eisbären sich nun an Rentieren versuchen,  führen die Wissenschaftler auf zwei Ursachen zurück. Zum einen war es früher bei mehr Eis leichter, die Robben zu fangen, die Eisbären genau das bieten, was sie an Nährstoffen brauchen – anderes war nicht interessant. Zum anderen begegnen sich Rentiere und Eisbären heute öfter als früher. Durch die Jagd waren beide Tierarten lange stark dezimiert. Seit sie geschützt sind, haben sich die Tierbestände erholt und auf der Inselgruppe ausgebreitet – und die Eisbären müssen auch noch immer länger an Land bleiben. In der Untersuchung werden 14 weitere direkte Beobachtungen zu Eisbären und Rentieren aus den vergangenen 20 Jahren aufgezählt, allein drei aus 2020. Auch im Kot von Eisbären wurde teilweise Rentierbeute nachgewiesen.

Lernfähige Eisbären schlechte Nachricht für Rentiere

Nach Ansicht von Eisbärforscher Andrew Derocher sind es bisher einzelne Tiere, die diese neue Methode erproben und bei Erfolg dann wieder anwenden – wie es auch die Bärin vor Hornsund gemacht hat. Während diese für sich eine Alternative für magere Zeiten entdeckt hat, sind die Rentiere auf Spitzbergen nach Beobachtung der polnischen Wissenschaftler noch nicht auf die neue Gefahr eingestellt, die es bisher ja nicht gab. Für die Rentiere ist die Aufmerksamkeit der hungrigen Eisbären keine gute Nachricht.

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