Norwegens Küstenroute: Lücken im Fahrplan wecken Kritik

Norwegen. Der Sommer naht, und im nördlichen Norwegen gibt es bereits Mitternachtssonne. Die erste halbwegs „normale“ Sommersaison seit 2019 steht vor der Tür. Auf der Küstenroute zwischen Bergen und Kirkenes gibt es allerdings immer noch Lücken im Fahrplan, weil statt elf nur acht Schiffe im Einsatz sind. Nun kommt Kritik von der Küste: Die Abfahrten fehlen. Darüber berichteten Klassekampen und NRK.

Havila Castor

Havila Castor vor Bergen. Foto Havila Kystruten

In der Theorie sollten nun sieben Schiffe von Hurtigruten und vier Schiffe des neuen Anbieters Havila sicherstellen, dass die 34 festgelegten Häfen täglich eine Abfahrt in jede Richtung haben. Während die Hurtigrutenschiffe planmäßig gehen, fährt von Havila zurzeit nur die ganz neue Havila Castor seit dem 10. Mai. Havila Capella liegt seit dem 12. April in Bergen fest, weil sie einer Leasingfirma im Besitz des russischen Staates gehört, und die beiden anderen sind noch nicht fertig.

Zwar bekam Havila Capella inzwischen eine Ausnahmegenehmigung für 6 Monate. Die Ausnahme beinhaltete jedoch nicht das Recht, das Schiff zu versichern, da ein Ausgleich im Schadensfall zumindest theoretisch dem russischen Eigentümer zugute käme. Damit muss das Schiff so lange im Hafen bleiben, bis eine neue Finanzierung gefunden ist.

Lücken im Fahrplan ärgern Spediteure

So bleiben Lücken im Fahrplan. Die norwegische Regierung bezuschusst den Betrieb der Schiffe, damit sie nördlich von Bodø Fracht und lokalen Personenverkehr übernehmen, wo es keine Bahn gibt. Mit diesen Lücken ist der Vorsitzende des norwegischen Speditionsnetzwerks Kystterminalene nach den Medienberichten nicht zufrieden. Man benötige alle elf Schiff zuverlässig. Sonst würden sich die Unternehmen alternative Lösungen suchen. Dabei will er nicht Havila anklagen, die maximales Pech gehabt hätten. Aber das Verkehrsministerium hätte längst reagieren müssen. Die einzigen Alternativen in Nordnorwegen sind dafür Lkw oder Flugzeug. 

Geld gespart, kein Ersatz

Weil Havila nicht fuhr, gab es auch kein Geld. Dadurch habe der norwegische Staat umgerechnet etwa 40 Millionen Euro gespart, berichtete jüngst Klassekampen. Statt das Geld zu sparen, hätte das Ministerium sich längst um Ersatz kümmern müssen, findet der Spediteurnetzwerk-Vorsitzende.

Havila hatte bereits Ausschau nach Ersatzschiffen gehalten, als klar wurde, dass zwei Schiffe aufgrund der Werftpleite in Spanien zum Vertragsstart im Januar 2021 auch nicht annähernd fertig sein würden. Das Ministerium verzichtete damals darauf, denn aufgrund der  Corona-Maßnahmen war das Passagieraufkommen ohnehin sehr gering und konnte von Hurtigruten allein bedient werden. Das hat sich nun geändert: Auch Personentransport und Reisen sind wieder gefragt.

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