Nach Erdbeben: Umfangreiche Schäden an der Erzgrube von Kiruna

Kiruna (Schweden). Auch Tage nach dem großen Erdbeben in Kiruna sind die Schäden in der Erzgrube von LKAB noch nicht vollständig erfasst. Das Zentrum des seismisch aktiven Gebietes konnte noch nicht betreten werden. Wann die Produktion wieder voll laufen kann, ist unklar.

Kiirunavaara Kiruna

Kirunas Erzberg Kiirunavaara.

Am Montags frühmorgens um 3.11 Uhr wurden die Bewohner Kirunas von einem heftigen Erdstoß geweckt, der aus der Erzgrube kam. Nachts wird gesprengt und dann gelüftet, deshalb waren nur 13 Personen unter Tage. Diese kamen alle unverletzt zurück an die Oberfläche. Das Beben hatte eine Stärke von 4,8 auf der Richter-Skala und 3,3 auf der lokalen Skala, die anders definiert ist. Es war damit das stärkste Beben in Schweden seit 12 Jahren und das schwerste Beben mit Ursprung in einem Bergwerk in Schweden überhaupt.

Das Zentrum befand sich laut LKAB in 1146 Metern Tiefe an der eigentlich stabileren Seite (Liegendes), wo sich auch das Bergwerk befindet. Es gab zahlreiche spürbare Nachbeben. Bis jetzt wurden etwa 65 Prozent der Anlage besichtigt, so eine Pressesprecherin gegenüber SVT. Bis zur seismisch aktivsten Zone, dem Zentrum des Bebens, ist ist aus Sicherheitsgründen noch niemand vorgedrungen. An einigen Stellen konnten Rutschungen festgestellt werden, außerdem ist ein Teil der verlegten Infrastruktur wie Wasserleitungen zerstört worden.

In Bereichen abseits der aktiven Zone wurde der Abbau wieder aufgenommen, mit etwa einem Drittel der normalen Kapazität. Wann die Produktion wieder normal laufen kann, hängt vom Ergebnis der Besichtigung ab.

LKAB im Clinch mit der Kommune

LKAB hatte während der Corona-Krise weiter produzieren können. Für die Region war das sehr hilfreich, denn für andere Branchen wie den Tourismus fiel das Geschäft ja aus und Saisonkräften wurden gekündigt.

Risse

Sprünge im Boden, Sommer 2017. Im Hintergrund Kirunas altes Rathaus, inzwischen abgerissen.

Allerdings befindet sich das Bergbauunternehmen im Streit mit der Kommune Kiruna über die nächsten Schritte der Stadtumwandlung. Bekanntlich muss das Zentrum von Kiruna ein Stück weiter ziehen, da der Boden darunter nach mehr als 100 Jahren Erzabbau bald nicht mehr sicher ist. Die Bodenschäden nähern sich bereits der zulässigen Grenze. LKAB ist darauf angewiesen, dass die Kommune bald die baurechtlichen Bedingungen schafft, damit der Abbau weiter gehen kann – ansonsten müsste die Produktion gedrosselt und Mitarbeiter entlassen werden. Die Kommune hatte daran aber Bedingungen geknüpft, die LKAB nicht erfüllen will. Inzwischen hat sich das Bergbauunternehmen sogar an die Regierung gewandt. Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht.

Hintergrund zu Kiruna: Kiruna – eine Stadt zieht um

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