Ausländer auf Spitzbergen wegen Corona in der Zwickmühle

Spitzbergen (Norwegen). Spitzbergen ist kein gewöhnlicher Teil des norwegischen Territoriums. Das hat in der Corona-Krise plötzlich unerwartete Folgen. Ausländische Einwohner sitzen dort in der Zwickmühle – insbesondere, wenn sie arbeitslos geworden sind.

Eisbärenschild

In diesem Jahr vermutlich nur für norwegische Touristen: Spitzbergen. Foto Thomas Christiansen

Auf Spitzbergen darf sich jeder Bürger eines Staates ansiedeln, der den Spitzbergen-Vertrag unterzeichnet hat. Er darf eine Arbeit aufnehmen oder selbst ein Unternehmen gründen. Er kann allerdings von der Insel verwiesen werden, wenn er seinen Aufenthalt nicht selbst finanzieren kann. Auch wer dort länger gearbeitet und Steuern gezahlt hat, hat nicht automatisch ein Recht auf norwegische Sozialleistungen. Auf Spitzbergen eingenommene Steuern müssen allerdings auch dort verwendet werden.

Mitte März schloss Norwegen bekanntlich seine Grenzen, und Spitzbergen gleich doppelt: Wer dort nicht wohnte, durfte gar nicht mehr einreisen, und wer auch nur vom norwegischen Festland kam, musste erst einmal in Quarantäne. Denn ein Covid-19-Ausbruch wäre mit den begrenzten Möglichkeiten des Inselkrankenhauses nicht zu schultern gewesen. Das Tourismusgeschäft, seit der weitgehenden Schließung der Kohlegrube der Haupt-Wirtschaftszweig, brach  komplett zusammen. Und damit auch das Einkommen des Teils der Bevölkerung, der kein Anrecht auf norwegische Sozialleistungen hat. Laut Ice People handelt es sich um 300 Personen.

Spitzbergen-Sommer vorerst nur für norwegische Touristen

Zunächst zeigte sich die norwegische Regierung kulant und unterstützte auch die ausländischen Arbeitslosen dort mit einem Krisenzuschuss. Seit klar ist, dass die Quarantäneregeln für Leute vom norwegischen Festland ab dem 1. Juni nicht mehr gelten werden, hoffen die örtlichen Unternehmen darauf, dass norwegische Touristen die Lücke wenigstens teilweise füllen. Wann auch andere wieder kommen dürfen, ist zurzeit unklar: Es wird über eine innernordische Grenzöffnung zu Mitte Juni diskutiert – möglicherweise ohne Schweden. Bürger anderer europäischer Staaten könnten möglicherweise ab dem 20. Juli kommen. Dies wird von der weiteren Entwicklung in Sachen Corona abhängen. Das Inselkrankenhaus hat inzwischen einen Krisenplan, falls Covid-19 doch den Weg dorthin findet. Wer ernsthaft krank wird, muss allerdings in einer speziellen Couveuse nach Tromsø ausgeflogen werden, berichtet NRK.

Regierung nur begrenzt kulant

Die ersten Anmeldungen gab es bereits, berichtet spitzbergen.de. Ob das allerdings reicht, um alle wieder in Arbeit zu bringen, die es vor der Krise waren, ist fraglich. NRK berichtet von einer Putzkraft aus Thailand, die bereits seit 20 Jahren in Longyearbyen arbeitet und dort auch Familie hat. Mangels Touristen ist sie nun arbeitslos und ihre Mittel gehen zu Ende. Weitere Zuschüsse für Ausländer auf Spitzbergen soll es nicht geben. Bürger von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes sollen bei der Heimreise finanziell unterstützt werden. Diese Reisemöglichkeiten sind allerdings teilweise gar nicht vorhanden.

 Das Corona-Paradoxon von Spitzbergen

Während Festland-Norweger nun bald auf die Corona-freie Inselgruppe kommen dürfen, dürfen ausländische Bewohner dieser Corona-freien Inselgruppe nicht nach Festland-Norwegen. Denn auch für sie gilt das aktuelle Einreiseverbot, eine Ausnahmegenehmigung gibt es nur nach sehr strengen Kriterien.  Diese sorge für Unmut, berichtet NRK, da sie ja keine Gesundheitsgefahr darstellten. Doch das einzige, was für sie möglich ist, ist die Transitreise in das Heimatland.

Frühere Artikel zum Thema: Norwegen: Öffnung der Grenzen frühestens 20. Juli

Spitzbergen-Bilder gibt es in der aktuellen Galerie

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