MOSAiC: Der Eisrand ist erreicht, aber die Expedition noch nicht vorbei

Arktis. Nach 300 Tagen und  1700 Kilometern Drift hat die Polarstern das arktische Eis durchquert – die Scholle zerfällt und löst sich auf. Die Expedition MOSAiC ist damit aber noch nicht zu Ende, wie das Alfred-Wegener-Institut (AWI) ankündigte: Nach dem Crewwechsel soll es noch einmal in den Norden gehen. Dort soll beobachtet werden, wie am Ende des Sommers die Eisbildung wieder beginnt.

MOSAiC Schmelztümpel

Das Zentrum der meteorologischen Arbeiten auf der Scholle wird abgebaut. Es befindet sich mittlerwile direkt neben einem Schmelztümpel. Foto Lianna Nixon/ MOSAiC

Gerade rechtzeitig hatten die Wissenschaftler ihre Instrumente von der Eisscholle geholt, an der sie seit vergangenen Oktober festhängen – vom Ausflug zum Crewwechsel bei Spitzbergen einmal abgesehen. Denn am Donnerstag ist die Scholle zerbrochen. Die Polarstern hat so das erste Ziel erreicht: Sie ist mit dem Eis der Transpolardrift durch den Arktischen Ozean gefolgt, von Sibirien bis zur Framstraße. Dort, zwischen Spitzbergen und Grönland, treiben die Eisreste Richtung Atlantik und schmelzen.

Natürlich haben die Wissenschaftler in den vergangenen Monaten auch ihre Scholle genau unter die Lupe genommen. Beim Schmelzprozess traten Steinchen und Muscheln deutlich zu Tage und bestätigten die These, dass die Scholle im Dezember 2018 im Flachwasser vor den Neusibirischen Inseln gebildet wurde. „Wir haben den glücklichen Umstand, dass wir eine Scholle gefunden haben, die den Sommer überlebt hat und von den russischen Schelfen stammt. So lassen sich Transportprozesse der ‚alten Arktis‘ untersuchen, die heutzutage nicht mehr oder nur noch teilweise funktionieren“, so AWI-Meereisphysiker Thomas Krumpen.

Immer weniger russisches Eis schafft es in den Norden

Deinstallation Messinstrumente

Deinstallation der Messinstrumente in Schiffsnähe und ihrer Stromversorgung. Foto Lisa Grosfeld/ MOSAiC

Denn die nördlichen russischen Randmeere, die als „Kinderstube“ des arktischen Meereises gelten, haben sich extrem erwärmt, wie man auch in diesem Jahr sieht. Früher wurde etwa 50 Prozent des im Winter gebildeten sibirischen Küsteneises mit den Winden nach Norden getrieben, von der Transpolardrift erfasst und Richtung Framstraße geschoben, so eine AWI-Studie von 2019. Heute sind es nach Satellitenmessungen nur noch 20 Prozent, die so weit kommen. Der Rest schmilzt, bevor er weit genug nördlich ist. Der größte Teil des Eises, das heute in der Framstraße ankommt, stammt aus der zentralen Arktis. Die Auswertung der MOSAiC-Messungen direkt vor Ort verspricht noch viel mehr Erkenntnisse dazu.

Genau diesen Prozess der Eisbildung in der zentralen Arktis will das nächste Team untersuchen, das jetzt in Bremerhaven in den Startlöchern steht. Der russische Forschungseisbrecher Akademik Trjoschnikow wird die Forscher zum Eisrand bringen, wo die Polarstern auf sie wartet. Dann geht es noch einmal hoch in den Norden, wo der Sommer bald zu Ende ist, um auch dieses letzte Puzzlestück im Jahreszyklus zu untersuchen.

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