Schmelzender Gletscher überschwemmt Kohlegrube auf Spitzbergen

Spitzbergen (Norwegen).  Die Rekordwärme auf Spitzbergen in der vergangenen Woche hatte böse Folgen für das Bergwerk im Adventdalen bei Longyearbyen. Schmelzwasser des darüber liegenden Gletschers überschwemmte die Kohlegrube Gruve 7.

Gruve 7 Spitzbergen

Gruve 7, Adventdalen, Spitzbergen. Archivfoto Bjoertvedt/ Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Am 25. Juli wurden in Longyearbyen 21,7 Grad gemessen. Damit fiel ein 41 Jahre alter Temperaturrekord. Einen Tag später wurde bei einer Routinekontrolle entdeckt, dass mehr Wasser als üblich in Gruve 7 eindringt – das letzte Kohlebergwerk auf Spitzbergen unter norwegischer Leitung. Dort herrschte gerade Sommerpause. Gruve 7 versorgt das Kraftwerk von Longyearbyen mit Brennstoff, ein größerer Anteil wird exportiert. Es soll langfristig stillgelegt werden, alle anderen Gruben der staatlichen Store Norske Spitsbergen Kulkompani sind bereits stillgelegt. In Barentsburg gibt es noch ein russisches Kohlebergwerk.

Wassereinbruch  in der Kohlegrube schwer zu beseitigen

Gruve 7 liegt unter einem Gletscher. Im Sommer drang normalerweise immer etwas Schmelzwasser ein, so Grubenchef Per Nilssen gegenüber NRK. Bisher waren es jedoch nie solche Massen wie aktuell. Die Wärme hielt sich auch: Longyearbyen brachte es vier Tage hintereinander auf mehr als 20 Grad. Den vorhandenen Pumpen gelang es nicht, die Wassermengen hinauszubefördern. Der hohe Wasserstand sorgte außerdem für einen Stromausfall, der die Pumpen zunächst stoppte. Store Norske hat nun mit Plan B begonnen: Die Pumpen stehen außerhalb der Grube. Um das viele Wasser sicher ableiten zu können, wird nun ein Kanal gegraben. Damit soll auch verhindert werden, dass der Hundebetrieb unterhalb getroffen wird. Dabei gibt es wiederum das Problem, dass der Boden unter der aufgetauten aktiven Oberflächenschicht weiter gefroren ist und sich nur schwer ausbaggern lässt.

Genug Kohlevorrat für den Kraftwerksbetrieb

Wie Store Norske mitteilt, wird die aktuelle planmäßige Sommerpause aufgrund des Wassereinbruchs auf unbestimmte Zeit verlängert. Es  dürften auch Anlagen in der Grube beschädigt worden sein. Mit dem bestehenden Kohlevorrat kann das Kraftwerk trotzdem vier bis sechs Monate betrieben werden.

Dass ein schmelzender Gletscher nun ausgerechnet eine Kohlegrube überschwemmt, hat natürlich hohen Symbolwert. Der Barents Observer titelte deshalb bereits: „Der Klimawandel schlägt zurück“. Spitzbergen gehört zu den Gebieten, in denen die Temperaturen am schnellsten steigen. Das merken die Bewohner bereits deutlich – beispielsweise durch Gebäudeschäden aufgrund des tauenden Permafrostes und verstärkte Lawinengefahr.

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