Island: Viele Argumente für den Nationalpark Hochland

Island. Ein Nationalpark kostet den Staat nicht nur, er bringt ihm über den Tourismus sogar das Achtfache an Geld zurück. Dieses Ergebnis einer Studie wurde auf der jüngsten Umweltkonferenz (Umhverfisþing) auf Island erstmals öffentlich vorgestellt und könnte Rückenwind für den geplanten Nationalpark Hochland sein. Dass die Koexistenz von Tourismus und Naturschutz auch ihre Grenzen hat, wurde ebenfalls thematisiert.

Nýidalur

Hochlandhütte Nýidalur.

Naturschutzgebiete im Allgemeinen und der angedachte Nationalpark Hochland im Besonderen standen im Zentrum dieser Umweltkonferenz. Und dass die Einrichtung und Pflege eines Schutzgebietes für den Staat kein Verlustgeschäft ist, zeigte die Untersuchung von Jukka Siltanen im Auftrag des Umweltministeriums (im Video unten ab 1.38, englisch), der an elf verschiedenen touristischen Zielen innerhalb von Schutzgebieten Interview mit den Besuchern führte oder führen ließ, insgesamt 3005. Fast alle davon waren ausländische Touristen, und die meisten hatten die Orte bewusst aufgesucht und mehr oder weniger Geld ausgegeben – für Übernachtungen, Touren, Transport und Essen. Nach Siltanens Rechnung kommen so für eine in ein Schutzgebiet investierte staatliche Krone 23 zurück in die isländische Wirtschaft, und über die Steuern darauf immerhin acht auch zurück an den Staat. Siltanen hatte zuvor als Masterarbeit bereits die Auswirkungen des Nationalparks Snæfellsnes auf die örtliche Wirtschaft untersucht.

Touristen suchen im Hochland Wildnis und Einsamkeit

Mehr als 90 Prozent der Touristen kommen wegen der Natur nach Island. Touristik-Professorin Anna Dóra Sæþórsdóttir von der Universität Island hatte für ihre Untersuchung „Einstellung der Touristen zum Hochland“ über mehrere Jahre speziell diejenigen befragt, die auch dort unterwegs waren – mit 9000 Fragebogen und 270 Interviews (Video ab 3.42, isländisch, ältere Version hier). Die meisten suchen dort die unberührte Wildnis, die Ruhe und Einsamkeit, aber auch das Abenteuer. Aber bis wann gilt eine Wildnis noch als „unberührt“? Stören Stromleitungen, Hotels, andere Touristen? Ein Nationalpark habe zwei Ziele – die Natur zu schützen und sie den Menschen zu vermitteln. Dies funktioniere aber nur bis zu einer gewissen Grenze zusammen, so die Professorin.  Soziale Medien und Videos wie das von Justin Bieber lockten noch dazu viele Menschen an einzelne Stellen. Auch das gelte es bei der Ausgestaltung eines neuen Nationalparks zu bedenken.

Mehrheit der Isländer für den Nationalpark Hochland

Hochland

Island, Hochland

Die Einstellung der Isländer selbst zur Einrichtung eines Nationalparks Hochland hat Michael Bishop in seiner Masterarbeit untersucht (Video ab 3.58, englisch). Dabei ist die Mehrzahl dem gegenüber positiv eingestellt – 29,4 Prozent „eher positiv“, und ebensoviele sogar „sehr positiv“, also fast 60 Prozent.  Nur 6,2 Prozent seien eher dagenen, 3,6 Prozent sehr dagegen. Die anderen hatten dazu keine Meinung oder wollten nicht antworten. Nach einer stärkeren Gewichtung unterrepräsentierte Gruppen ergab sich sogar eine Befürworterquote von 63 rund Prozent.  Bishop hatte die Leute auch nach den Gründen gefragt. Die Gegner befürchteten beispielsweise Einschränkungen für ihre eigenen Freizeitaktivitäten dort, andere eine politische Zentralisierung und Kosten. Die Befürworter erhofften sich davon den Schutz der Natur, auch durch Einstellung von Rangern und der Aufklärung und Lenkung der Touristen.

Letzter Redner vor der Podiumsdiskussion war der Fotograf und Filmemacher Chris Burkard, der Luftbilder vom Hochland und von der Bündung von Gletscherflüssen zeigte auch für deren Schutz plädierte (Video ab 4.09, englisch). Eine Arbeitsgruppe bereitet gerade den entsprechende Gesetzvorschlag für den Nationalpark vor.

Früherer Artikel zum Thema: Island: Kommt der Nationalpark Hochland?

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