Isländische Reederei kündigt wieder Jagd auf Finnwale an

Island. Nach zwei Jahren Pause will  Kristján Loftsson, Chef des Walfangunternehmens Hvalur hf, ab 10. Juni die Jagd auf Finnwale wieder aufnehmen. Das Fleisch soll nach Japan exportiert sowie für spezielle Produkte verwendet werden. Darüber berichtete zuerst Morgunblaðið. Der Finnwal gilt als bedrohte Art. Und ob es einen Markt für die Produkte gibt, ist fraglich.

Finnwale

Finnwale. Foto Janice Waite/ National Marine Mammal Laboratory

Zuletzt hatte Hvalur hf. im Jahr 2015 155 Finnwale getötet. Die Pause legte Loftsson nicht aus Gründen des Tierschutzes ein, sondern weil er das Fleisch aufgrund der strengen japanischen Importbestimmungen nicht los wurde. Islandsbloggen erinnert daran, dass der Walfang ein Verlustgeschäft ist, das Loftsson sich nur leisten kann, weil er als Aktionär des isländischen Fischereiriesen HB Grandi genug Gewinne macht.

Nach der diesjährigen Quote dürfte Hvalur hf 161 Finnwale jagen, plus 20 Prozent der im vergangenen Jahr nicht genutzten, insgesamt 191 Tiere. Wie viele Tiere es noch im Nordatlantik gibt, ist nicht genau bekannt. Nach dem IWC (International Whaling Commission) sind es mehr als 35 000, einige Gegenden seien jedoch nicht überwacht. Der Bestand wird immer noch als gefährdet angesehen.

Kaum Markt für Walfleisch

Auf Island wird Finnwal praktisch nicht gegessen. Das Unternehmen Hvalur hf rechnet sich aber offenbar nun bessere Chancen aus, wieder nach Japan zu exportieren, außerdem sollen Gelatine und Nahrungsergänzungsmittel für Personen mit Blutarmut produziert werden. „Es ist schwer zu sehen, wie sich das lohnen soll“, meint Islandsbloggen dazu, denn viele Länder erlaubten den Import von Walprodukten gar nicht. Für das Image Islands könnte sich diese Entscheidung erneut negativ auswirken: Schon früher gab es Protestaktionen gegen den isländischen Walfang.

Island ist nicht das einzige Land, das noch Walfang betreibt: Auch Norwegen, Japan und die Färöer tun das sowie die Inuit auf Grönland in kleinem Maßstab. Die Situation ist jedoch sehr unterschiedlich. Auf den Färöer wird der Pilotwal (Grindwal) gefangen, das Fleisch wird nach einem bestimmten Schlüssel unter den Einwohnern verteilt. In Norwegen wird der Minkwal (Zwergwal) gejagt. Die Nachfrage nach dem Fleisch in Norwegen sinkt allerdings, der Export nach Japan blieb begrenzt. Die Bestände von Pilotwal und Minkwal gelten aber nicht als gefährdet.

Neues Schutzgebiet erschwert Jagd auf Minkwale

 Auch in Island wurden im vergangenen Jahr noch Minkwale gefangen, von der Reederei IP-út­gerð, allerdings nur 17 Tiere und nicht die volle Quote. Das Fleisch wird hauptsächlich von Touristen gegessen. Ob die Reederei in der kommenden Saison erneut loszieht, steht noch nicht fest:Die Behörde hat zwar eine Quote von bis zu 217 Walen genehmigt. Die Erweiterung des Walschutzgebietes in der Faxaflói-Bucht im vergangenen Herbst würde die Schiffe aber zwingen, viel weiter hinaus zu fahren. Dies würde Aufwand und Kosten erhöhen. Die Reederei will, dass die Erweiterung zurückgenommen wird – danach sieht es aktuell aber nicht aus.

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