Inlandeis Grönland: Saisonbilanz mit Verlust zum 25. Mal in Folge

Grönland. Die Inlandeis-Saison 2020/2021 in Grönland reiht sich ein in die davor: Zum 25. Mal in Folge ist mehr Eis weggeschmolzen als nachgewachsen. Dieses Fazit zieht Polarportal, ein gemeinsames Portal mehrerer dänischer Behörden, in seinem Bericht zur vergangenen Saison.

Höhenänderung Grönland

Höhenänderung des Inlandeises von Grönland 2018-2020. Quelle polarportal.dk

Die Saison vom 1. September 2020 bis zum 31. August 2021  ist mit einem Eisverlust von insgesamt 166 Milliarden Tonnen nahe am Durchschnitt für die Periode 1987-2021. Der Eispanzer in Grönland verliert Masse auf zwei Wegen: Schnee und Eis schmelzen bei Plusgraden und bahnen sich den Weg zum Meer. Außerdem kalben die Gletscherzungen ins Meer. Fällt im Winter ausreichend Schnee, halten sich Zuwachs und Verlust die Waage. In den vergangenen 25 Jahren war dies konstant nicht mehr der Fall: Es verschwand im Sommer immer mehr, als im Winter nachwachsen konnte.

Einige Faktoren der vergangenen Saison waren günstig für den grönländischen Eisschild: Der Frühsommer war kalt und feucht, sodass es bis in den Juni hinein noch schneite. So startete die Schmelzsaison erst spät. Nach den Messungen der Wetterstationen des dänischen Programms PROMICE gab es dann jedoch drei stärkere Schmelzereignisse aufgrund hoher Temperaturen: am 19. Juli, am 28. Juli und am 14. August. Bei letzterem wurde erstmals Regen auf der höchsten Station, „Summit Station“ auf 3216 Metern beobachtet.  Dank der guten Vorlage aus dem Winter blieb die Oberflächen-Massebilanz mit 396 Milliarden Tonnen (Gigatonnen) dennoch „durchschnittlich“. Im Vergleich mit früheren Jahrzehnten ist dies allerdings wenig.

Sermeq Kujalleq beschleunigt wieder

Ilulissat Eisfjord

Am Ilulissat Eisfjord. Foto Thomas Christiansen

Zur Gesamtbilanz gehört außerdem der Verlust durch kalbende Gletscher. Der Eisfluss wird durch Satellitenaufnahmen gemessen. Hier versteckt sich die schlechte Nachricht: In der Saison 2020/2021 wurde der bisher stärkste Eisverlust über die kalbenden Gletscher und das Schmelzen unter Wasser gemessen seit Beginn der Beobachtungen 1986, so der Bericht des Polarportals. Dazu trägt bei, dass Sermeq Kujalleq, auch bekannt als Ilulissat-Gletscher oder Jakobshavn Isbræ, nach einer ruhigen Phase wieder an Fahrt aufgenommen hat. Dieser Gletscher allein produzierte in der vergangenen Saison insgesamt 45 Gigatonnen Eisberge, also Eisverlust für den Eisschild.

Höhe des zentralen Eisschildes beginnt zu sinken

Satellitendaten überwachen auch die Dicke des Eispanzers insgesamt. Danach hat Grönland von April 2002 bis zum Juni 2021 insgesamt 4470 Gigatonnen Eis verloren, was einem Anstieg des Meeresspiegels von 1,2 Zentimetern entspricht. Dieser Eisverlust zeigt sich inzwischen nicht nur daran, dass die Ränder und die Auslassgletscher schrumpfen, sondern erstmals auch in einem Verlust an Höhe auf großen Teilen des zentralen Inlandeises. Weniger Höhe heißt aber langfristig weniger Schnee – in den tieferen Lagen fallen die wichtigen Niederschläge als Regen.

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