Finnland beschränkt Kapazität für Strom aus Russland

Finnland. Der finnische Netzbetreiber Fingrid hat die Importkapazitäten für Strom aus Russland gedrosselt. Es sollen nicht mehr als 900 Megawatt über die Grenze fließen. Fingrid begründet dies damit, dass so das Risiko für das finnische Kraftsystem in der aktuellen Situation minimiert werden soll. Die bisherige Importkapazität lag bei 1300 Megawatt.

Screenshot Fingrid

Finnlands Stromimporte und Exporte vergangene Nacht. Screenshot Fingrid

Finnland hat ein strukturelles Stromdefizit und ist abhängig vom Import aus den Nachbarländern, vor allem Schweden und Russland. Zwar ist das Atomkraftwerk Olkiluoto 3 inzwischen in Betrieb genommen worden, doch die Kapazität wird nur langsam gesteigert und es werden auch immer noch Tests vorgenommen. In diesen werde das Werk ganz vom Netz abgekoppelt, so Fingrid. Erst ab 31.Juli soll das Kraftwerk mit voller Kapazität (1600 Megawatt) gefahren werden.

Die Drosselung der Kapazität aus Russland ist am 24. April in Kraft getreten. Tatsächlich liegt der Import aus Russland, den man auf der Karte bei Fingrid verfolgen kann, nun unter 1000 Megawatt. Das übrige Defizit wird über mehrere Leitungen aus Schweden, vor allem die im Norden, und zu einem kleinen Teil auch aus Nordnorwegen gedeckt. Finnland exportiert aber auch selbst Strom ins Baltikum.

Ausbau der eigenen Kapazitäten

Finnlands Stromdefizit wird schrumpfen, wenn Olkiluoto 3 ab Sommer mit voller Kapazität arbeiten darf. Fortum, Betreiber der beiden Atomkraftwerke in Loviisa, hat die Verlängerung der  Betriebserlaubnis bis 2050 beantragt. Beide sind schon mehr als 40 Jahre alt. Außerdem wird die Windkraft nun auch in Finnland stärker ausgebaut, es sind mehrere Projekte in Planung.

Unklare Situation in Hanhikivi

Völlig unklar ist nach wie vor, was mit dem geplanten Atomkraftwerk auf der Halbinsel Hanhinkivi wird. Eine Tochterfirma der russischen Rosatom sollte dabei für den Reaktor zuständig sein und hat mehr als 40 Prozent der Anteile an Betreiberfirma Fennovoima. Zwar haben Politiker wiederholt geäußert, dieses Projekt werde keine Baugenehmigung erhalten. Es hat bisher allerdings niemand die Verträge gekündigt, bisher war das Projekt auch nicht von Sanktionen betroffen, und deshalb wird auch weiter gearbeitet. Der russische Hauptauftragnehmer mit den Tochterfirmen Titan 2 und Titan 2 Finland soll allerdings laut Helsingin Sanomat  in Zahlungsschwierigkeiten sein.

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