Drangar-Gebiet: Schutz der Wildnis oder Wasserkraftwerk?

Island. Naturschutz oder Energieerzeugung? In diesem Jahr sollte sich entscheiden, in welche Richtung sich Islands abgelegenste Region entwickelt. Während die Kommune Árneshreppur an den baurechtlichen Plänen für ein Wasserkraftwerk arbeitet, setzen sich Naturschützer für die Bewahrung der Wildnis ein. Die Grundbesitzer von Drangar haben sie schon an ihrer Seite.

Arneshreppur

Árneshreppur liegt abseits der üblichen Touristenziele. Karte mit Hilfe von stepmap.

Árneshreppur ist nicht nur Islands abgelegenste, sondern auch Islands kleinste Kommune, was in engem Zusammenhang steht: Die Straßenverbindung ist im Winter praktisch nicht benutzbar, weil kein Schnee geräumt wird, die Flugverbindung, theoretisch zweimal die Woche,  funktioniert auch nur bei gutem Wetter. Solche Zustände wollen immer weniger Menschen hinnehmen, vor allem nicht Familien mit Kindern. Die Schule hat inzwischen geschlossen, auch der einzige Laden hat aufgegeben Gemeldet sind dort noch knapp 50 Personen, in diesem Winter sind aber  nur noch 17 vor Ort geblieben.

Das geplante Wasserkraftwerk  Hvalárvirkjun gilt als eine Möglichkeit, die Entvölkerung wenigstens kurzfristig zu stoppen. Damit die Stromerzeugung sich auch lohnt, sind allerdings erhebliche Eingriffe in die Natur nötig: Das Wasser  von drei Flüssen (Rjúkandi, Hvalá und Eyvindarfjarðará) müsste mit Hilfe von insgesamt fünf Staudämmen zusammengeführt und dann durch die Turbine geschickt werden. Statt der bisherigen kleinen Seen würden drei neue, größere entstehen. Das Werk soll eine Leistung von 55 Megawatt haben und im Jahr 320 Gigawattstunden Strom produzieren. An den entsprechenden baurechtlichen Plänen arbeitet die Kommune Árneshreppur gerade.

Antrag: Schutz für Drangajökull und Ófeigsfjarðarheiði

Ófeigsfjarðarheiði

Hvalá und Rjúkandi, Ófeigsfjarðarheiði. Foto Jón Hartmannsson, CC0

Alternativ stellte das Isländische Institut für Naturgeschichte (Náttúrufræðistofnun Íslands) vergangenen Sommer den Antrag, das gesamte Gebiet um den Gletscher Drangajökull inklusive der Hochebene Ófeigsfjarðarheiði unter Schutz zu stellen insgesamt 1281 Quadratkilometer. Das beträfe auch das Gebiet, in dem die Flüsse für den Kraftwerksbau umgeleitet werden müssten. Das Institut ist gegen den Kraftwerksbau dort. Es läuft auch noch eine Petition über Change.org dazu. Die Hornstrandir, das äußerste Ende dieser Landspitze, sind bereits geschützt.

Im Herbst beantragten die Grundbesitzer von Drangar, dass ihr Gebiet unter Schutz gestellt wird. Es handelt sich dabei um 100 Kilometer größtenteils unbewohnte Wildnis  zwischen dem Gletscher und der Küste zwischen Drangaskörðir und Bjarnarfjörður, also ein Teil des beantragten Schutzgebietes um den Drangarjökull. Die Erben der dort früher ansässigen Familie wollen es auf diese Weise für zukünftige Generationen zugänglich machen. Man kommt nur mit dem Boot dorthin, so weit reicht die Straße nicht. Dies hätte auch Folgen für den Wasserkraft-Plan.

Ein Gutachten im Auftrag der Umweltschutzorganisation Ófeig kommt unter anderem zu dem Schluss, dass ein Schutz des Drangar-Gebietes langfristige Jobs in der Kommune schaffen würde, beispielsweise im Tourismus. Durch den Bau des Wasserkraftwerks würden dagegen eine einzigartige Wildnis irreversibel zerstört, und nur während der Bauphase kämen mehr Menschen nach Árneshreppur.

Ófeigsfjarðarheiði im Fernsehen

Das isländische Fernsehen zeigte gestern Abend in der Serie „Ferðastiklur„, wie das Leben in den beiden Fjorden am Ende der Straße früher war und heute aussieht ( bis 24. April in der Mediathek von RÚV, Text isländisch). Ab Minute 37.27 geht es dann um die Hvalá und die anderen Flüsse der Ófeigsfjarðarheiði. Dabei auch die ersten im Fernsehen gezeigten Aufnahmen des Wasserfalls Drynjandi, nicht zu verwechseln mit dem sehr ähnlich klingenden, bekannteren Dynjandi im Nordwesten am Borgarfjörður.

Früherer Artikel zum Thema:

Island: Neues Wasserkraftwerk oder Naturschutz?

So sieht es am Ófeigsfjörður aus (Rundumblick durch Betätigung der Tasten links oben)

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