Barentssee: Die Schneekrabbe kam nicht im Ballastwasser

Norwegen/Russland. Die Schneekrabbe kam nicht im Ballastwasser eines Schiffes in die Barentssee, sondern aus eigener Kraft. Diese Schlussfolgerungen ziehen die Wissenschaftler des norwegischen Meeresforschungsinstituts nach einem neuen Genvergleich mit Krabben aus anderen Polarregionen. Auch ökonomisch ist die Schneekrabbe angekommen und wird inzwischen nach Quoten gefangen. 

Schneekrabbe

Die Schneekrabbe ist eine begehrte Delikatesse. Foto Odd-Børre Humborstad / Havforskningsinstituttet

Russische Forscher fanden die Schneekrabbe (Chionoecetes opilio ) erstmals 1996 in der Barentssee, vor Nowaja Semlja. Bis dahin war sie bekannt aus der Beringsee, Ost-Kanada und der grönländischen Westküste. 2004 wurde erstmals ein Exemplar auf norwegischem Territorium gesichtet. Wie sie in die Barentssee gekommen war, konnten sich Forscher lange nicht erklären. Eine Theorie war, dass sie im Ballastwasser von Schiffen gereist war, wie die chinesische Wollhandkrabbe, die es inzwischen unter anderem in der Elbe gibt. Diese Theorie ist nach den neuen Untersuchungen des norwegischen Meeresforschungsinstitutes (Havforskningsinstituttet) aber nicht sehr wahrscheinlich. Genetisch unterscheidet sich die Barentssee-Schneekrabbe am stärksten von der aus Westgrönland, aber auch von den anderen Gebieten. Eine Krabbe, die sich über das Ballastwasser verbreitet hätte, müsste mit ihrem Herkunftsbestand enger verwandt sein. Die norwegischen Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass die Schneekrabbe sich auf natürlichem Weg von der Beringsee auf nach Westen gemacht hat. Dies dauerte vermutlich einige Zeit, in denen sich die Bestände getrennt weiterentwickelten. Gestützt wird diese Theorie auch von Berichten über Funde von Schneekrabben entlang der russischen Nordküste. Die norwegischen Forscher hoffen nun, solche Exemplare analysieren zu können, um die Theorie zu überprüfen.

Hauptsache kaltes Wasser

Die Ballastwassertheorie war vermutlich deshalb aufgekommen, weil sich der Bestand sich in der Barentssee zuerst sehr langsam, dann aber explosionsartig vermehrt hatte. Schneekrabben sind allerdings echte arktische Eroberer: Ihre Larven können bis zu fünf Monaten im Wasser treiben, das Wasser darf auch gerne tief sein. Dabei mögen sie es kalt, nicht mehr als drei oder vier Grad. An der Finnmark-Küste wurden auch schon Exemplare gefunden, doch eigentlich ist es ihnen dort zu warm.

Schneekrabben Karte

Vorkommen der Schneekrabbe in der Barentssee. Karte Havforskningsinstituttet

Die Finnmark-Küste ist dafür die Heimat der etwas wärmeliebenderen Königskrabbe geworden, und beide haben viel gemeinsam: Sie fressen praktisch alle Bodentiere und werden deshalb als eine ökologische Bedrohung gesehen. Selbst wenn die Schneekrabbe  höchstwahrscheinlich ohne technische Hilfsmittel bis in die Barentssee gekommen ist, wird sie in der  norwegischen Arten-Datenbank als fremde und invasive Art geführt, die für das Ökosystem der Fischschutzzone von Spitzbergen eine sehr große Bedrohung darstelle. Verglichen mit der Königskrabbe, die bekanntlich bewusst vor Murmansk ausgesetzt wurde, hat sich die Schneekrabbe noch stärker vermehrt und ausgebreitet.

Begehrt und umstritten

Für die Fischerei ist die Schneekrabbe ein lukratives Produkt, an dem inzwischen auch andere teilhaben wollen. Deshalb liegt Norwegen auch im Streit mit der EU. Die EU sei nicht berechtigt, Quoten für Schneekrabben auszustellen, so die Urteile norwegischer Gerichte bisher. Da das Tier am Boden lebe, zähle der Kontinentalsockel, und nur Norwegen und Russland hätten das Recht, dafür Quoten zu erteilen. Auch der Spitzbergenvertrag habe dazu nichts zu sagen. Die EU sieht das anders. Deshalb wird es weiter Streit um die Schneekrabbe geben – egal, woher sie kommt.

Früherer Artikel zum Thema:

Norwegen im Streit mit EU um Schneekrabbe

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