Zwei Palmen für Reykjavík

Island. Palmen sind nicht unbedingt die Bäume, die man erwartet, wenn man auf Island aus dem Fenster sieht. Für die Bewohner des Neubauviertels Vogabyggð in Reykjavík soll es ihr täglicher Ausblick werden. Mit zwei Palmen im beheizten Glashaus hatte die deutsche Künstlerin Karin Sander den Gestaltungswettbewerb gewonnen – und nun gibt es eine öffentliche Diskussion über Sinn und Unsinn des Projekts.

Palmen

Zwei Palmen für Vogabyggð. Quelle: Stadt Reykjavík/ Entwurf Karin Sander

„Unerwartet, amüsant und kühn“, nannte die Jury Karin Sanders Entwurf. Statt kleiner exotischer Topfpflanzen auf dem privaten Fensterbrett sollen die Glashaus-Palmen alle ein bisschen zum Träumen anregen, so die Künstlerin im Interview bei Vísir. Beim Wettbewerb ging es eigentlich nicht um die Begrünung des neuen Viertels, sondern um Kunstwerke, die dort integriert werden sollten – als solches sind die Palmen im temperierten Glashaus auf der nordatlantischen Insel gedacht.  Der Wettbewerb war vom isländischen Kunstmuseum (Listasafn) ausgeschrieben worden. Den Preis von 140 Millionen Kronen, rund eine Million Euro, sollten sich Stadt und Eigentümer teilen, er entspricht einem Prozent der Gesamtinvestition. Die Palmen sollen auf dem zentralen Platz aufgestellt werden. Nach zehn bis 15 Jahren könnten sie durch japanische Kirschbäume ersetzt werden, wenn die Bewohner dies wünschten.

Eine Stadtratsabgeordnete kommentierte, Geringverdiener würden lieber selbst in warmen, sicheren Wohnungen leben, als extrem teure Vertreter eines wärmeren Klimas zu betrachten. Dieser Hinweis bezieht sich auf die Wohnungsnot in Reykjavík, die vor allem jene trifft, die sich teure Mieten nicht leisten können.

Kritik kommt auch von der praktischen Seite, bei RÚV. Pflege und Unterhalt der Palmen-Glashäuser könnten schwieriger, aufwendiger und teurer werden als jetzt angenommen.

Das teure Projekt kommt auch zeitlich ungünstig: Gerade erst hatte es Ärger für die Stadtverwaltung gegeben, weil die Restaurierung eines alten Bunkers in Nauthólsvík mehr als doppelt so teuer geworden war.

In Vogabyggð sollen in den ersten drei Bauabschnitten 1300 Wohnungen entstehen, davon 20 Prozent Miet- und 5 Prozent Sozialwohnungen.

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