Zu viele mit Wohnmobil auf Rastplätzen in Norwegen?

Norwegen. Urlaub mit dem Wohnmobil in Norwegen ist attraktiv – wegen der schönen Landschaft und weil man mit dem Fahrzeug fast überall stehen und übernachten darf. An einzelnen Ratsplätzen führte das zu Problemen. Dort wird nun die Stehzeit beschränkt.  Das berichtete NRK.

Wohnmobil von oben

Wohnmobil unterwegs mit Solarzelle auf dem Dach – Campingplätze werden immer seltener gebraucht. Rastplätze in Norwegen sind oft großzügig und landschaftlich schön gelegen. Manche sind inzwischen zu attraktiv: Auf dem Platz Skjevlingsneset an der Bergsøysundbrücke bei Kristianssund und auf dem Rastplatz Trollveggen im Romsdal soll die Aufenthaltszeit nun auf zwei Stunden beschränkt werden. Diese Plätze hätten nicht mehr so funktioniert, wie sie sollen, so ein Vertreter von Statens Vegvesen (Straßenbaubehörde) zu NRK. Dort sollten Leute anhalten können, sich die Beine vertreten, die Toilette benutzen und erholt weiterfahren. Ein Rastplatz sei aber kein Campingplatz. Einige Leute blieben dort eine Woche. Bei Trollveggen hätten Berufskraftfahrer auch Probleme gehabt, Platz zu finden, um ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten.

NRK hat zusammengestellt, wo es Probleme gibt. An einzelnen Rastplätzen ist Camping (sei es mit Zelt oder Wohnmobil) bereits explizit begrenzt oder verboten. Zu den besonders begehrten Gegenden gehören die Lofoten.

Wohnmobile und das Jedermannsrecht

Es sind keineswegs nur Ausländer, die sich dort reihen – die Norweger reisen auch selbst gerne mit dem „Bobil/Bubil“. Und die norwegische Bubilforeining kritisiert bereits die neuen restriktiven Ansätze. Zwei Stunden seien viel  zu wenig. Und Norwegen werbe schließlich mit seinen Nationalen Touristenstraßen im Ausland. Andere Interviewte sehen in der Beschränkung einen Verstoß gegen das Jedermannsrecht.

Campingplatz

Auf dem Campingplatz (hier um Mitternacht am Saltstraumen) treffen sich Wohnmobile und alle anderen Formen des Campings.

Im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern ist in Skandinavien wild campen erlaubt, solange man sich an gewisse Regeln hält. Diese Tradition wird in Norwegen, aber auch Schweden und Finnland sehr hoch gehalten. Insbesondere Reisende mit Wohnmobilen, die eine Solarzelle auf dem Dach und sogar Toilette und Dusche an Bord haben, benötigen immer seltener einen Campingplatz – nur zum Wasser nachfüllen und Abwasser leeren. In Schweden ist der Aufenthalt auf einem Rastplatz grundsätzlich auf 24 Stunden beschränkt. An einzelnen Parkbuchten im Fjäll gibt es aber auch eine Beschränkung auf zwei Stunden.

Mehr zu Rastplätzen in Norwegen: Schönste der Welt? Toilette mit Blick auf die Lofoten

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2 Antworten zu Zu viele mit Wohnmobil auf Rastplätzen in Norwegen?

  1. Georg Terwelp sagt:

    Hallo,
    auch hier wird das in Skandinavien so geschätzte „Jedermannsrecht“ gezielt mißverstanden. Es gilt eben nicht für den motorisierten Verkehr, sondern nur für Wanderer, Kanufahrer und Radfahrer. Hinzu kommt, dass ein Teil der Wohnmobilisten einfach nicht in der Lage ist, Mindestregeln im Umgang miteinander einzuhalten. Wie – seinen Abfall soweit mitzunehmen, dass man in regelgerecht entsorgen kann – oder sein Abwasser nicht einfach auf die Strasse oder in die Landschaft laufen zu lassen. Man könnte manchmal glauben, die WOWA-Hersteller können keine dichten Hähne in die Abwasserleitungen einbauen, so oft tropft es während der Fahrt. Und dann haben wir natürlich ein Luxusproblem: Zu viele Menschen mit dem Geld für teure Wohnmobile.
    Liebe Grüsse
    Georg Terwelp

  2. Jan sagt:

    Auch für Wohnmobile müssen Grenzen gelten – gerade wenn gute Campingplätze mit vernünftiger Infrastruktur in Norwegen oder Schweden punkten. Mein Eindruck ist eher, dass falsche Vorstellungen von grenzenloser Einsamkeit vermengt mit ungutem Geiz der Natur schwer zusetzen. Das hat mit Individualität wenig zu tun. Das ist Egoismus auf Kosten der Allgemeinheit.

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