Norwegen: 49 000 Zuchtlachse auf der Flucht

Norwegen. Durch ein Loch im Netz sind vergangenen Sonntag rund 49.000 Zuchtlachse aus einer Anlage im Tosenfjord südlich von Brønnøysund entkommen. Die Firma hat 300 Kronen Belohnung pro Fisch für den Fang ausgesetzt. Das meldete NRK.

Lachs

Atlantiklachs. Foto Foto William Hartley/ U.S. Fish & Wildlife Service

Die Chance zur Flucht ergab sich offenbar bei einer mechanischen Maßnahme zur Entfernung der Lachslaus. Der genaue Hergang wird noch untersucht. Die norwegische Fischereibehörde sieht solche Entweichungen höchst ungern, da die genetische Vermischung von Wild- und Zuchtlachs absolut unerwünscht ist. Es kann sogar Strafen dafür geben.  Das Unternehmen war deshalb schnell dabei, selbst Garn auszulegen und lokale Fischer um Hilfe zu bitten, um die Tiere wieder einzufangen. Dafür wurde sogar eine Belohnung von 300 norwegischen Kronen pro Fisch, aktuell umgerechnet 31 Euro, ausgesetzt. Dabei reichte es, die Kennmarke abzugeben – die erfolgreichen Fischer durften den Fisch behalten.

2018 entwichen rund 160 000 Lachse

Dass so viele Fische auf einmal entweichen, ist zwar selten, kommt aber immer wieder vor. Im vergangenen Jahr schafften nach der Statistik der Fischereibehörde 160.000 Zuchtlachse den Weg in die Freiheit. 54.000 davon stammen von derselben Firma am selben Tag. 1200 davor wurden wieder eingefangen, vermerkt die Statistik. Von den Fischen aus der Anlage im Tosenfjord wurden laut NRK bis Freitag früh 418 eingefangen. Der Sender porträtiert einen, der dabei zusammen mit einem Kumpel 120 davon gefangen hat – er hatte offenbar den richtigen Sinn dafür, was ein Zuchtlachs macht, wenn ihn kein Netz mehr begrenzt.

Wohin schwimmt der Flucht-Lachs?

Zu dieser Frage hat das norwegische Meeresforschungsinstitut bereits Forschungen angestellt und selbst markierte Tiere entweichen lassen. Erwachsene Lachse schaffen es wohl gar nicht, sich auf die Selbstversorgung umzustellen und überleben nicht lange. Generell kommen junge Fische offenbar besser damit klar. Sie ziehen erst einmal Richtung Ozean, um zu fressen, und sind dann nur noch schwer zu fangen. Genau dies erwartet der Angelbeauftragte des norwegischen Jäger- und Fischer-Verbundes auch im aktuellen Fall, da die entwichenen Tiere noch nicht geschlechtsreif sind. Aktuell seien sie nur Nahrungskonkurrenten der Wildlachse.

Wenn sie geschlechtsreif sind, so zeigen die Forschungen, kehren sie dann dorthin zurück, wo sie entwichen sind, und suchen Süßwasser auf. Das ist der Punkt, über den sich die Fischexperten sorgen – Konkurrenz um Laichplätze und die Gefahr der genetischen Vermischung. Denn in der Nähe des Tosenfjordes liegen gute Lachsflüsse.

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