Zu viele Ausnahmen beim Schweröl-Verbot für die Arktis?

Arktis. Der Umweltschutz-Ausschuss der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat einen weiteren Schritt getan, um das Schweröl aus der Arktis zu verbannen. Die neue Regelung muss noch von der IMO-Hauptversammlung beschlossen werden, was 2021 geplant ist. Doch es gibt bereits Kritik an dem Entwurf: Er erlaube so viele Ausnahmen, dass die Regelung bis 2029 fast wirkungslos sei.

Christophe de Margerie

Flüssiggastanker wie die eisverstärkte Christophe de Margerie verkehren auf arktischen Routen. Foto Sovcomflot

Schweröl (HFO) ist in den Gewässern um die Antarktis bereits verboten. Die Verbrennung erzeugt besonders schmutzige Abgase. Der Ruß legt sich außerdem direkt auf Eis und Schnee und trägt damit zu einer schnelleren Schmelze bei. Und bei einem Unfall wäre die zähflüssige Masse nur schwer zu beseitigen. Ein ähnliches Verbot sowohl für den Transport als auch für die Benutzung von Schweröl in der Arktis stieß jedoch auf Widerstand einiger Anliegerstaaten. Schweröl ist der billigste Schiffstreibstoff. Und so kam der Kompromiss für den Bann auch nur zustande, weil er den Anliegerstaaten noch lange Ausnahmen ermöglicht. Wenn die neue Regelung wie geplant 2024 in Kraft tritt, dürften Schiffe mit Ausnahmeregelung noch bis 2029 Schweröl nutzen. Der größte Widerstand kam dabei von Russland, dem Land mit der längsten arktischen Küstenlinie und dem meisten Verkehr.

Neue Regelung würde zunächst wenig bringen

Die Organisation ICCT (International Council on clean Transportation) hat ausgerechnet, welche Folgen der jetzt vom Ausschuss beschlossene Entwurf hätte, angewendet auf die Schiffe, die 2019 tatsächlich in der Arktis verkehrten. Die ernüchternde Bilanz: Angesichts der Ausnahmeregeln  für die Anrainerstaaten und für Doppelhüllentanker mit innenliegendem Treibstofftank generell würden nur 16 Prozent der Schiffe Schweröl nicht mehr verbrennen dürfen. Und nur 30 Prozent der Schweröl-Fracht dürften nicht mehr stattfinden. Erst nach 2029 wäre für alle Schluss. Als Alternative berechnete die Organisation verschiedene weniger großzügige Ausnahmeregelungen, die schneller Ergebnisse bringen würden. Die Befürworter des Verbots hoffen nun, bis zur Hauptversammlung noch eine Änderung zu erreichen.

Weniger Eis, mehr Schiffe

Eine Beschränkung des schmutzigen Treibstoffs wäre auch deshalb wichtig, weil das schrumpfende arktische Eis immer mehr Schiffsverkehr in der Arktis möglich macht. So war beispielsweise die Nordostpassage in diesem Jahr so früh und so lange wie noch nie eisfrei und wurde entsprechend genutzt.

Was die IMO nicht schafft, können die Anlieger noch durch nationale Regeln erreichen. So plant Norwegen ein komplettes Verbot von Schweröl rund um Spitzbergen. In Teilbereichen ist der Treibstoff dort schon verboten. Die neue Regelung würde aber auch die großen Kreuzfahrer treffen, die vor Corona Longyearbyen noch anlaufen durften.

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IMO: Dem Verbot von Schweröl in der Arktis ein Stück näher

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