Wie aus norwegischen „Tamrein“ isländische Wild-Rentiere wurden

Norwegen/Island. Rentiere gehören zur den arktischen Regionen wie Schnee und Mitternachtssonne. Nach Island schaffte es allerdings keins auf natürlichem Weg – hier half der Mensch nach. Aus 35 halbzahmen Rentieren aus der Finnmark sind in 230 Jahren 7000 isländische Wildrene geworden. Darüber berichtete forskersonen.no.

Rentiere

Rentiere in der inneren Finnmark, Nordnorwegen

Das einzige Säugetier, das es allein nach Island geschafft hat, ist bekanntlich der Polarfuchs. Pferde, Schafe und alles andere brachten die Einwanderer aus Norwegen mit. Zwischen 1771 und 1787 gab es vier Anläufe, Rentiere dort anzusiedeln. Die Idee dahinter war, dort eine Art Rentierwirtschaft aufzubauen. Daraus wurde allerdings nichts. Und lediglich die aus dem letzten Transport, 35 Tiere aus Avjovarre in der Finnmark, überlebten auf Island. Sie waren damals in Vopnafjörður in Ostisland ausgesetzt worden, schafften es, sich dem lokalen Nahrungsangebot anzupassen und leben bis heute wild in Ostisland.

Vulkanausbrüche, aber keine Raubtiere

Norwegische und isländische Wissenschaftler haben den Bestand nun untersucht und mit den heutigen Tieren in Norwegen verglichen. Harte Winter dürfte die aus der Finnmark eingeführten Tiere damals gewohnt gewesen sein, nicht aber Vulkanausbrüche. Hier wird speziell der Ausbruch der Askja 1875 genannt, nach dem sich die Asche zentimeterdick alles bedeckte. In anderer Hinsicht hatten sie es auf Island offenbar deutlich besser: Es gibt keine großen Raubtiere und damit keine natürlichen Feinde außer dem Menschen. Die isländischen Rene werden offenbar auch weniger von stechenden Insekten geplagt. Und die Parasiten und Krankheitserreger, die die Importtiere damals vermutlich mitbrachten, überlebten offenbar nicht in dem neuen Klima. Weil der Rentierbestand so stark gewachsen ist, werden die Tiere heute in bestimmten Zeiten bejagt.

Gute Bedingungen für die Rentiere auf Island

In Norwegen wird zwischen den wilden Renen im Süden des Landes und den von den Samen halbdomestizierten „Tamrein“ im Norden unterschieden. Beide gehören allerdings zur gleichen Unterart. Die isländischen Rene verhalten sich heute wie die Wildtiere und haben auch ein vergleichbares Schlachtgewicht, höher als das der Nachkommen ihrer gemeinsamen Vorfahren in der Finnmark.  „Den domestizierten Rentieren, die das „Angebot“ bekamen, wilde Rentiere in Islands Bergen und Fjorden zu werden“, gehe es offenbar gut, nach 232 Jahren in ihrem neuen Heimatland, stellten die Forscher fest – und die Lebensbedingungen hätten offenbar mehr Auswirkungen als die Genetik.

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