Wenn der Papageientaucher hungrig bleibt

Norwegen/Island/Färöer. Neues Jahr, neues Glück: Die ersten Papageientaucher sind an ihren Brutplätzen angekommen. In den vergangenen Jahren überlebte der Nachwuchs oft nicht, weil es an Nahrung fehlte, die Bestände schrumpfen im gesamten nordatlantischen Raum.

Papageientaucher

Papageientaucher. Foto Richard Bartz, CC BY-SA 3.0

Auf der Insel Lovund, Kommune Lurøy in Helgeland, haben sie sogar einen Tag nach dem Papageientaucher, norwegisch lundefugl, benannt. Der 14. April ist „lundkommardagen“. Papageientaucher leben auf dem Meer, nur zum Brüten begeben sie sich an Land. Die ersten Exemplare kamen sogar schon am 12. April. Und nach den Beobachtungen, über die NRK berichtet, sollen es ungewöhnlich viele sein. Das wäre zumindest ein guter Ausgangspunkt für die diesjährige Brutsaison. In den vergangenen Jahren sah es damit in Norwegen schlecht aus. Von der Insel Røst berichtet ein Ornithologe, dass die letzte gute Saison 2006 war. In den Jahren 2007 bis 2015 überlebte kein Jungvogel, danach auch nur wenige. Der Bestand sei seit 1970 um 80 Prozent gesunken. Der jüngste Brutvogel sei in diesem Jahr 13 Jahre alt. Bevorzugte Nahrung des Papageientauchers ist der Sandaal. Davon gab es offenbar bei Røst zuletzt zu wenige. Auf der Insel Lovund sei die Lage etwas besser. Dort sei der Bestand zwar auch um zwei Drittel geschrumpft, so der Forscher. Doch die Vögel hätten alternative Nahrungsquellen in den Flüssen und Fjorden der Küste, „wenn das Meer leer ist“.

Ausnahme: Grímsey

Auch auf Island ist der Papageientaucher, der dort „lundi“ heißt, angekommen. Und zwar besonders zahlreich auf Grímsey, berichtet RÚV. Durch diese Insel im Norden Islands geht auch der Polarkreis. Die größte „Lundi“-Kolonie nistet eigentlich immer auf den Westmännerinseln, schrumpft jedoch seit Jahren und leidet vermutlich ebenso wie die auf Røst unter Nahrungsmangel. Das nördlicher gelegene Grímsey hat diese Probleme (noch?) nicht. Aufgrund der schrumpfenden Bestände auch an anderen Brutplätzen ist die Jagd auf Papageientaucher in den vergangenen Jahren stark eingeschränkt worden. Ende vergangenen Jahres stufte das isländische Institut für Naturgeschichte (Náttúrufræðistofnun Íslands) den Bestand der Vögel auf Island als „vom Aussterben bedroht“ (CR) ein. Das Umweltministerium prüft nun ein Jagdverbot und besseren Schutz.

Warum fehlt der Sandaal?

Zum Niedergang der Papageientaucher wird von mehreren Seiten geforscht. Vogeleltern von den Westmännerinseln müssten inzwischen bis zu 110 Kilometer fliegen, um mit Futter zurückzukommen, zeigte ein Versuch mit GPS-Trackern auf Island, über den Morgunblaðið berichtete. Bei so langen Wegen würde der Nachwuchs einfach nicht ausreichend oft gefüttert. Warum der Tisch für die Tiere nun plötzlich so schlecht gedeckt ist, dem widmet sich ein Beitrag in der New York Times. Die Hauptthese ist, dass das wärmere Meer den Sandaal vertrieben hat. Überfischung, Umweltgifte und Jagd (Island wie Färöer) sind aber auch nicht hilfreich. Da Papageientaucher bis zu 20 Jahre alt werden können, sind trotz des fehlenden Bruterfolgs immer noch eine Menge Tiere unterwegs. Doch fehlt der Nachwuchs, wird es auf vielen Vogelfelsen in Norwegen, Island und den Färöer eben doch irgendwann still.

Früherer Artikel zum Thema:Papageientaucher – geliebt, aber gefährdet

 

Dieser Beitrag wurde unter Biologie, Färöer, Island, Klima, Norwegen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.