Papageientaucher – geliebt, aber gefährdet

Nordatlantik. Papageientaucher sehen – das gehört für viele zu den Höhepunkten einer Reise in den Norden. Der bunte Vogel hat jedoch massive Probleme, Nachwuchs großzuziehen – der neueste Bericht von BirdLife zum Zustand der Vögel weltweit stuft den Bestand als gefährdet ein. Zu den Ursachen gehört der Klimawandel.

Papageientaucher

Papageientaucher. Foto Richard Bartz, CC BY-SA 3.0

Papageientaucher (Fratercula arctica) brüten bevorzugt an steilen Abhängen und abseits gelegenen Inseln am nördlichen Nordatlantik – von Kanadas Ostküste bis Nordwestrussland. Rund 90 Prozent des Bestandes (insgesamt 4,7-5,7 Millionen Vogelpaare) brüten in Europa, vor allem in Island oder Norwegen, inklusive Spitzbergen, Jan Mayen und der Bäreninsel. Die Wissenschaftler sehen die Population jedoch seit der Jahrtausendwende schrumpfen. In Papageientaucher-Kolonien im Süden und Westen Islands blieb der Bruterfolg aus, auch auf der Lofoteninsel Røst, Norwegens größter Kolonie, wurde in den vergangenen neun Jahren praktisch kein Nachwuchs groß, so der Bericht von BirdLife, der sich auf Studien von 2015 und 2016 bezieht. Auf den Färöer und Grönland sinken die Zahlen der beobachteten Vögel ebenfalls. Die Art wurde deshalb auf der internationalen Roten Liste bereits 2015 von „Least Concern“ (nicht gefährdet) um zwei Stufen auf „Vulnerable“(gefährdet) hochgestuft. Das unterstreicht BirdLife nun auch in seinem neuesten Bericht.

Papageientaucher

Dieser hat noch Nahrung gefunden. Foto Pixabay

Papageientaucher brauchen das Land nur zum Brüten – ansonsten reicht ihnen das Meer, was die Beobachtung für Menschen schwierig macht. Sie leben vor allem von kleinen Fischen wie Sandaalen, Sprotte, Lodde und dem atlantischen Hering und können dazu bis zu 60 Meter tief tauchen. Als größtes Problem der Art vermuten die Forscher das wärmere Meerwasser – Beutetiere wie der Sandaal sind in kühlere Gewässer ausgewichen. Vogeleltern auf den Westmännerinseln fanden so nicht mehr genug Nahrung für ihren Nachwuchs im Umfeld des Nestes und schafften es nicht, ihn groß zu ziehen. Das betrifft nicht nur den Papageientaucher, sondern auch andere Arten. Im Norden und Westen Islands gibt es offenbar noch genug passenden Fisch, dort hielt sich der Bestand.

Als weitere Bedrohung für die Papageientaucher werden die Verschmutzung des Meeres, Fischereigerät, Raubtiere wie Ratten oder Katzen, Extremwetter  und Störungen im Brutgebiet durch Menschen oder Nutztiere genannt.

Alte Traditionen und neue Wege

Speziell auf Island und den Färöer ist „lundi“ bis heute auch ein traditionelles Gericht und das Fangen der Vögel mit dem Kescher eine Kunst, auf die Teile der Bevölkerung nur schwer verzichten wollen. Die Jagd ist zwar inzwischen stark eingeschränkt. Náttúrustofa Suðurlands, deren Team die isländischen Vögel zweimal jährlich zählt und den Bruterfolg beobachtet, hat bereits von der Jagd abgeraten. Doch selbst auf den Westmännerinseln wurde sie noch vergangenes Jahr erlaubt, wenn auch nur für drei Tage.

Der dänische Wissenschaftler und Fotograf Carsten Egevang hat mit Kollegen den kulturellen Stellenwert der Seevogelnutzung in Grönland, den Färöer und Island im Projekt Seabird Harvests in the North Atlantik erforscht. Dazu gehören auch Praktiken wie das Daunensammeln. Wohin die Reise möglicherweise geht, wird dort aber auch beschrieben: Nichttödliche Nutzungen des dekorativen Papageientauchers wie Vogelbeobachtungen und der Verkauf von Kalendern und Plüschtieren sind inzwischen ein erfolgreicher Wirtschaftszweig.

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