Von Nordlichtern und Irrlichtern

Nordlichter sind toll. Das glauben auch die, die noch nie eins gesehen haben. Allein das Wort „Nordlicht“, besser noch international „Northern Lights“ oder „Aurora“, hat einen magischen Klang. Kein Wunder also, dass Marketing-Strategen gerne auf diesen Zug aufspringen und vom positiven Image dieses Himmelsphänomens profitieren wollen. Dumm nur, dass es so viel Konkurrenz in dieser Disziplin gibt – und so richtig passt es auch nicht immer.

Nordlicht am Nördfjärden, Piteå.

Das Bezirksgericht Reykjavík hat gerade die Klage eines Hotels in Grindavík abgewiesen, das sich Northern Light Inn nennt. Darüber berichtete RÚV. Die Hoteleigentümer wollten verhindern, dass ein Beherbergungsbetrieb auf Seltjarnarnes Grótta Northern Lights heißen darf. Das Gericht war der Meinung, Nordlicht sei ein zu häufiges Phänomen, für das Wort könne man keinen Markenschutz geben.

Man kann Verständnis für diese Namenswahl haben. Viele ausländische Touristen kommen schließlich genau deshalb nach Island. Und gelegentlich scheint das Nordlicht ja auch tatsächlich über der einen oder anderen Herberge – natürlich nicht ausschließlich dort! Man kann auch Verständnis dafür haben, dass die Kirchengemeinde von Alta ihr modernes Gotteshaus „Nordlyskatedralen“ getauft hat, ebenfalls in einer Zone, wo die Himmelserscheinung häufig zu sehen ist. Man kann dabei auch durchaus andächtig werden.

Was ein Milchprodukt, CCS und eine Militärübung eint

Schwieriger wird es schon, wenn eine nordschwedische Molkereikette ihr Sauermilchprodukt als „Norrskensfil“ vermarktet. Das mag zur Region passen, aber wie oft die Kühe tatsächlich nachts in den Himmel gucken können, ist doch sehr unklar. Aber es geht noch schlimmer: Das große norwegische Carbon-Capture-and-Storage-Projekt heißt auch „Northern Lights“ – und hier muss man ja wirklich hoffen, dass das eingelagerte Produkt das Nordlicht niemals wieder zu Gesicht bekommen wird. Ein weiteres Beispiel: „Aurora“ als Bezeichnung für die regelmäßig wiederkehrenden Militärübungen Schwedens mit Nachbarn und Verbündeten, die nächste übrigens 2023. Statt von Nordlichtern sollte man in diesen Fällen vielleicht eher von Irrlichtern sprechen.

Das echte Phänomen ist übrigens gerade relativ häufig zu sehen, und es soll noch mehr werden. Denn wir befinden uns in der Anfangsphase eines neuen Sonnenzyklus, dessen Höhepunkt für 2025 erwartet wird. Ein Sonnenzyklus dauert ungefähr elf Jahre. Je aktiver die Sonne ist, desto mehr und stärkere Polarlichter gibt es zu sehen.

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