Umdenken in Longyearbyen – bleibt die Kohle länger?

Longyearbyen (Norwegen). Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine vergeht kein Tag, an dem nicht Alternativen zu Energieträgern aus Russland diskutiert werden – und die steigenden Preise.  Diese neue Situation wirke sich auch auf die Pläne zur zukünftigen Energieversorgung Longyearbyens aus, so der Vorsitzende der örtlichen Selbstverwaltung. Konkret wünscht er sich, dass ein Weiterbetrieb der Gruve 7 geprüft wird. Darüber berichteten Svalbardposten und NRK.

Longyear Energiverk

Das Kraftwerk von Longyearbyen. Foto Bjoertvedt/ Wikimedia, CC BY 3.0

Die staatseigene Kohlegrube Gruve 7 liefert bisher zuverlässig den Brennstoff für das Kraftwerk von Longyearbyen – nicht ganz unwichtig bei den arktischen Temperaturen. Zwei Drittel der Produktion werden an die Stahlindustrie in Deutschland verschifft. Der Betrieb galt zuletzt aber als unwirtschaftlich, und die Svea-Grube wurde deshalb schon komplett geschlossen und renaturiert.

Kohle ist außerdem eine der Energieformen, bei der besonders viele Treibhausgase freigesetzt werden. Schon länger sucht Longyearbyen deshalb nach einer CO2-neutralen Alternative. Auf Spitzbergen sieht man den Klimawandel schließlich schon sehr deutlich. Da diese Alternative immer noch nicht gefunden ist, wollte man als Zwischenlösung ab September 2023 auf Diesel umschwenken. Die Gruve 7 sollte dann schließen. Damit fielen auch die Exporterlöse weg.

Kohle-Revival?

Unter dem Eindruck steigender Preise und Energieträger-Knappheit jenseits von Russland will Arild Olsen vom Longyearbyen Lokalstyre diesen Plan überdenken. Der Zwischenschritt mit dem Diesel könne für Longyearbyen teuer werden als geplant. Und dieses muss auch noch zur Inselgruppe geliefert werden.

Olsen plädiert deshalb dafür, so lange weiter auf die inseleigene Kohle zu setzen, bis eine wirklich grüne Lösung vor Ort stehe. Als Alternative könne diese grüne Lösung auch früher kommen – doch es ist keine in Sicht.

Abnehmer Stahlindustrie

Auch aus anderen Gründen könne der Weiterbetrieb der Kohlegrube sinnvoll sein: Die norwegischen Stahl- und Aluminiumwerke benötigten noch Kohle für die industriellen Prozesse. Festland-Norwegen importiere mehr Kohle aus dem Ausland als eine Jahresproduktion von Gruve 7. Olsen möchte vom Ministerium überprüft haben, ob sich der Weiterbetrieb bei den neuen Rahmenbedingungen nicht doch lohne.

Norwegens Souveränität

Es könnte auch noch ein anderer Faktor eine Rolle spielen: Mit dem Bergwerk fielen auch Arbeitsplätze auf der Insel weg. Lediglich die Wissenschaft und die Tourismusindustrie blieben vor Ort. Wie stabil Norwegens Souveränität über die Inselgruppe ist, hängt letztlich auch von der Präsenz dort ab. Der russische Staatskonzern Arktikugol betreibt in Barentsburg eine vermutlich ebenfalls unrentable Kohlegrube nach dem Spitzbergenvertrag.

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