Tschuktschensee-Eisbären noch gut in Form

Russland/USA. Wie kommen Eisbären mit dem schrumpfenden Eis klar? Forscher stoßen bei der Antwort stets auf das Problem, dass der Bestand dieser sehr mobilen Tiere nicht überall gut erfasst ist. Erstmals liegen nun Zahlen für die Region der Tschuktschensee vor, über Jahre erhoben von einem amerikanischen Team. Die gute Nachricht: Es sind rund 3000, und den Bären geht es noch sehr gut. Die Studie wurde gerade in Scientific Reports veröffentlich.

Eisbärin

Eisbärin mit Nachwuchs auf der Wrangel-Insel. Foto Eric Regehr/Universität Washington

Wissenschaftler teilen den Eisbärenbestand in 19 regionale Untergruppen ein, von denen manche besser, manche schlechter erforscht sind. Über die Tiere im Gebiet der Tschuktschensee, zwischen Tschukotka/Ostrussland und Alaska, wusste man bisher wenig. In der Pressemitteilung der Universität Washington berichtet Hauptautor Eric Regehr, die Region sei biologisch sehr reich, es gebe viele Robben – im Gegensatz beispielsweise zur Beaufort-See, wo der Eisbärenbestand schon unter Druck geraten sei.

Dem Bestand in der Tschuktschensee gehe es noch gut, auch wenn das Eis inzwischen einen Monat kürzer liege. Dabei  helfe zum einen der gute Robbenbestand im Winterhalbjahr, aber auch die Walkadaver, die im Sommer beispielsweise auf der russischen Wrangel-Insel stranden. Dort verbringen Hunderte von Eisbären den Sommer. Regehr beobachtete sie auch dort, gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern. Ansonsten ist die Insel unbewohnt.

Seit 2008 den Eisbären auf der Spur

Seit 2008 waren Forscher der Universität Washington und Kollegen aus staatlichen US-amerikanischen Einrichtungen den Eisbären auf der Spur gewesen. Sie versahen Tiere mit Peilsendern, sie folgten Spuren aus der Luft, und sie erstellten schließlich aus ihren direkten und telemetrischen Beobachtungen ein Modell, aus dem sich der Bestand errechnen ließ. Erstmals floss dort auch das Wissen der Ureinwohner Alaskas über die Eisbären mit ein.

Meereis

Meereis in der Arktis am 21. November. Rot umkreist die Tschuktschensee mit der Wrangel-Insel.

Die neuen Zahlen wurden auch der russisch-amerikanischen Eisbärenkommission vorgelegt, die gemeinsam den Bestand verwaltet. Die setzte deshalb die Zahl der Tiere hoch, die in der kommenden Saison von den Ureinwohnern gejagt werden dürfen – von 58 auf 85. Die Quote wird zwischen beiden Ländern geteilt. Tatsächlich nutzen darf sie zurzeit allerdings nur die amerikanische Seite. In Russland ist die Jagd auf Eisbären verboten. Die Führung in der Autonomen Region Tschukotka befürwortet allerdings, dass die Jagd auf das arktische Raubtier den Ureinwohnern dort auch wieder erlaubt wird, wie TASS berichtet.

“ Diese Ergebnisse sind zunächst eine gute Nachricht, aber das heißt nicht, das die Bären in der Tschuktschensee nicht schließlich doch vom Eisverlust beeinträchtigt werden“, so Regehr.  Eisbären bräuchten Eis, um Robben zu jagen, und das werde weiter schrumpfen, bis die Ursachen des Klimawandels angegangen würden.

Die Tschuktschensee war im Herbst 2017 extrem spät zugefroren und schnell wieder frei. Arctictoday berichtet von einem Projekt dort, das nicht stattfand, weil es an Eis fehlte. Auch in diesem Herbst verläuft die Eisbildung dort laut National Snow and Ice Data Center sehr  langsam. Und gerade erst meldete die Wetterorganisation der UNO, dass der CO2-Gehalt in der Luft weiter angestiegen ist.

Besonders weit fortgeschritten ist die Erwärmung in der Barentssee. Zur Situation der Eisbären dort siehe Spitzbergen: Neues Schutzgebiet für Robben und Eisbären

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