Gitarren statt Schwerter: Skálmöld unterwegs

Island. Wer schreibt heute noch Strophen in der strengen Dróttkvætt-Form der altnordischen Skaldendichtung? Die Antwort: Snæbjörn Ragnarsson, Texter und Bassist der isländischen Band Skálmöld, die das Werk dann mit viel Energie auf die Bühne bringt. Ab morgen sind sie auf Europatour.

Skálmöld

Skálmöld bei einem Auftritt bei Rockharz, Björgvin Sigurðsson (von links), Snæbjörn Ragnarsson, Þráinn Árni Baldvinsson. Foto S. Bollmann, CC BY-SA 4.0

Als die sechs Mitglieder 2009 zusammenfanden, hatte sie alle schon verschiedene musikalische Stationen hinter sich. Das Debütalbum „Baldur“ über einen fiktiven Wikinger wurde vor allem beim Metal-Publikum gut aufgenommen, aber auch darüber hinaus. Und schon nach dem zweiten Album, „Börn Loka“, wurde ihnen die Zusammenarbeit mit dem isländischen Symphonieorchester angeboten. Die drei ausverkauften Shows in Reykjaviks Konzerthalle Harpa Ende 2013 zeigten, wie gut so eine Kooperation funktionieren kann, die CD/DVD davon verkaufte sich bestens. Der Auftritt wurde im August 2018 an vier Tagen wiederholt und war ebenfalls ausverkauft.

Auch ohne Orchester im Rücken transportiert Skálmöld, benannt nach der Zeit der Gesetzlosigkeit auf Island im 13. Jahrhundert, die Botschaft sehr wuchtig – mit drei E-Gitarren zu Keyboard, Bass und Schlagzeug. Die kunstvoll geschmiedeten Verse werden meist guttural präsentiert von Gitarrist Björgvin Sigurðsson. Im Kontrast dazu stehen klar  gesungene Strophen von Gunnar Ben oder allen zusammen – beim Auftritt mit dem Orchester übernahmen dies drei verschiedene Chöre.

Die alten Zeiten waren blutig

Im Oktober kam nun das fünfte Studioalbum heraus.  Sämtliche sind Konzeptalbum, die sich thematisch an die mythische heidnische Welt anlehnen – mit Göttern, Geistern und blutigen Kämpfen. Hier ist kein Platz für Romantik, höchstens für einzelne Lichtblicke.  Zu vielen Liedern gibt es Lyrik-Videos, die Texte sind jedoch selbst mit Sprachkenntnissen nicht leicht zu verstehen – dafür sorgen die strengen Vorgaben zu Metrik, Reim und Symbolik plus das spezielle Vokabular. Dróttkvætt , „Hofton“, war das am häufigsten gebrauchte Versmaß der Skaldendichtung. Eine Strophe besteht normalerweise aus acht dreihebigen Kurzversen inklusive Binnenreim,  Snæbjörn Ragnarsson verwendet auch häufig Endreime.

Sorgir

Neues Skálmöld-Album Sorgir

Um auch Sprachunkundigen einen Zugang zum Stoff zu verschaffen,  hat Snæbjörn Ragnarsson zum neuen Album „Sorgir“ („Trauer“) Videos aufgenommen. in denen er auf Englisch erklärt, worum es geht. Vorwarnung: Die alte Zeit war nicht gut, hier ruinieren Geister das Glück der Menschen. Wem das zu düster ist, der ist beim vorherigen Stoff vielleicht besser aufgehoben – das waren immerhin „Vögguvísur Yggdrasils“, Wiegenlieder der mythischen Weltesche.

Auf der kommenden Europatour ist Skálmöld gemeinsam mit den schottischen Alestorm unterwegs. Am 5. Dezember spielen sie in Graz,  außerdem am 7. Dezember beim Christmas Bash in Geiselwind sowie am 8. Dezember beim Ruhrpott Metal Meeting.

Hier eins der Skalmöld-Videos, bei dem man auch etwas von Island sieht…Ein Lied von einer Sonderveröffentlichung, „Die Hand, die an den Wänden kratzt“.  Eine grausame Geschichte, in der ein Haus samt Einwohner verbrannt wird.

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