Spitzbergen heute: Im Durchschnitt 5,6 Grad wärmer als 1961

Spitzbergen (Norwegen). Spitzbergen beendet dieses Jahr mit einem neuen Rekord: Seit neun Jahren liegt der Monatsdurchschnitt permanent über dem Durchschnittswert der Periode 1961-1990. Auf Spitzbergen erwärmt sich das Klima dreimal schneller als in Oslo und sechsmal schneller als im globalen Durchschnitt. Das meldete Norwegens Meteorologisches Institutt (MET).

Spitzbergen

Landschaft in Veränderung: Spitzbergen. Foto Ketil Isaksen/ MET

Für Klimaforscher Ketil Isaksen vom MET war Spitzbergen 25 Jahre lang sein zweites Zuhause. Die Folgen seien direkt zu sehen: Regen im Winter, der früher als Schnee kam. Der Eisfjord (Isfjord) trägt kein Eis mehr. Bekannt ist außerdem, dass die Gefahr von Lawinen gestiegen ist.

Der Zahlen der Wetterstation auf dem Flughafen von Longyearbyen zeigen, dass die Durchschnittstemperatur seit 1961 um 5,6 Grad gestiegen ist. Am Hauptsitz des Instituts in Blindern (Oslo) waren es nur 2 Grad, global 0,9 Grad. In einzelnen Monaten habe die Temperatur in der Gegend um Longyearbyen sogar 12 bis 14 Grad über dem Vergleichswert gelegen, so Isaksen. Ändere sich nichts, werde die Jahresdurchschnittstemperatur dort noch vor Ende des Jahrhunderts über dem Nullpunkt liegen.

Weniger Meereis, mehr Atlantikwasser

Die Entwicklung betrifft natürlich nicht Spitzbergen allein, sondern auch die anderen arktischen Regionen. Für das Klima von Spitzbergen ist die Ausdehnung des Meereises entscheidend. Die Inselgruppe gerät immer mehr unter den Einfluss des warmen atlantischen Wassers, das zuvor schon die norwegische Küste geheizt hat. Die Polarfront verschiebt sich nach Norden, und mit ihr die entsprechenden Arten.

Russisches Forschungsschiff findet neue Arten in der Nordostpassage

Auch nördlich von Sibirien ändert sich das Ökosystem. Das russische Forschungsschiff Professor Lewanidow vom Institut für Fischerei und Ozeanografie hat eine ungewöhnliche Expedition hinter sich: Es startete Anfang Juli in Wladiwostok und durchfuhr in drei Monaten die gesamte Nordostpassage bis Murmansk – nicht ohne unterwegs gründlich Proben zu nehmen. Sie stießen auf Fischarten wie Heilbutt und geschlechtsreifen Kabeljau, die bisher in diesen Gewässern nicht zu finden waren. Auch dort findet also ein Systemwechsel statt. Für die Arten, die bisher am Eisrand zu finden waren, wird es dagegen knapp.

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