Hafen in Tromsø wird für amerikanische Atom-U-Boote vorbereitet

Norwegen. Wo können amerikanische Atom-U-Boote anlegen, wenn sie im nördlichen Norwegen üben wollen? Bisher durften diese nur im norwegischen Flottenstützpunkt Haakonsvern bei Bergen festmachen. Doch nun wird ein Kai im Industriehafen Tønsnes bei Tromsø dafür ausgerüstet. Darüber berichtete High North News. Und bei Nordnorsk Debatt wird darüber heiß diskutiert.

Tromsø von oben

Tromsø und Fahrwasser von Storsteinen aus gesehen. Tønsvik liegt rechts außerhalb des Bildes.

Die Anfrage kam offenbar schon vor drei Jahren: Das US-Militär würde gerne bei Tromsø mit Atom-U-Booten anlegen dürfen, um Mannschaft auszutauschen und Proviant an Bord zu nehmen. Es wurde schon einmal Mannschaft dort ausgetauscht, in ruhiger See bei Kvaløya. Die Kommune wurde gefragt und sprach sich dagegen aus. Trotzdem rüstet die kommunale Hafengesellschaft von Tromsø, die auch für Tønsnes zuständig ist, die Anlage nun auf Wunsch des Verteidigungsministeriums auf. Man sei verpflichtet, alle Schiffe aufzunehmen, die kommen – auch Atom-U-Boote, erklärte ein Vertreter der Kommune gegenüber High North News.

Jüngstes Schiffsunglück in Tromsø legte Krankenhaus lahm

Gerade erst hat Tromsø erlebt, welche Auswirkungen ein Schiffsunglück im Hafen haben kann. Ein russischer Trawler geriet aus noch ungeklärten Gründen am Anleger in Breivika in Brand. Es entwickelte sich dichter Rauch. Das Gebiet musste weiträumig abgesperrt werden, zeitweise wurde eine Explosion befürchtet. Erst als das Schiff kenterte und versank, konnten die Leute wieder aufatmen. Das Problem: Durch die Sperrungen kam das Personal nicht mehr durch zum Krankenhaus. Dort drohte der Notstand, Operationen mussten abgesagt werden. Wochenlang lag das Schiff auf dem Grund, nun wird es geborgen, doch das kann dauern, denn es ist noch Treibstoff an Bord.

Alternative Pläne für Tønsvik hoffnungslos?

Der Hafen Tønsnes liegt zwar ein Stück außerhalb des Zentrums, einen Unglücksfall mit einem Atom-U-Boot möchte sich aber auch dort niemand vorstellen. Außerdem gab es eigentlich andere Pläne für das Gebiet, ein Interessent plante dort Lachsverarbeitung. „Wir sahen den globalen Markt verschwinden wie Tau in der Sonne“, so der frühere Bürgermeister Jarle Aarbakke.

Kritik aus Russland

Jedes Anlaufen müsse extra beantragt und genehmigt werden. Es sei nicht geplant, dort eine ständige Militärbasis einzurichten, versicherte ein Vertreter des norwegischen Militärs der Zeitung iTromsø. Das interpretiert man in Russland allerdings offenbar anders. Dies sei  gegen die bisherige Praxis der nachbarschaftlichen Beziehungen. Oslo erhöhe die Spannungen weiter. Dies werde nicht ohne Antwort bleiben, so Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums laut Reuters.

Bereits in der Vergangenheit hatte Russland stets kritisiert, wenn Norwegen die USA noch einen Schritt weiter gehen ließ, so wie zuletzt mit der Stationierung amerikanischer Soldaten in Norwegen und amerikanischer Überwachungsflugzeugen auf Andøya.

Verteidigungsminister sieht keine Probleme

Für den norwegischen Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen (Høyre) hat sich dagegen gar nichts geändert. Das Anlegen in Tromsø sei ein normaler Teil aliierter Aktivitäten, und selbstverständlich würden die internationalen Sicherheitsbestimmungen eingehalten. Die U-Boote, die in norwegischen Gewässern erwartet würden, hätten keine Atomwaffen dabei.

Bakke-Jensen sprach davon, dass der Kai in Tromsø 4-5 Mal im Jahr benötigt würde. Insgesamt ist die Zahl der NATO-Atom-U-Boote in Norwegen gestiegen: Nach dem jüngsten Bericht der Strahlenschutzkommission waren es vor einigen Jahren noch 10-15, inzwischen  sind es 30 bis 40 Anläufe im Jahr, sowohl amerikanische als auch britische oder französische.

Stille Ausdehnung der Grenzen auf beiden Seiten

Natürlich hat auch Russland U-Boote. Ende Oktober meldete NRK, zehn davon seien auf dem Weg in den Atlantik. Anfang November berichtete dann der Barents Observer, drei amerikanische B52-Bomber seien von Großbritannien aus fast bis Nowaja Semlja geflogen, also weit in die östliche Barentssee – und vorbei an den wichtigen Basen der Nordflotte auf der Kola-Halbinsel.

Früherer Artikel zum Thema: Russisches Manöver vor Norwegens Küste

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