Spitzbergen: 85 Monate über dem Temperatur-Durchschnitt

Spitzbergen. Einen fragwürdigen Rekord vermelden die norwegischen Meteorologen für Spitzbergen: Auf den arktischen Inseln liegen die Temperaturen seit 85 Monaten über dem, was zwischen 1961 und 1990 als Durchschnitt für den jeweiligen Monat galt.  Darüber berichtete der norwegische Wetterdienst YR bei NRK.

Spitzbergen

Noch gibt es Eis auf Spitzbergen – doch es wird wärmer.
Foto Thomas Christiansen

Im November 2010 verzeichnete die Messstation am Flughafen auf Spitzbergen am wärmsten Tag einen Wert von 0,4 Grad Plus und einen Tiefstwert von minus 22,4 Grad. Die Durchschnittstemperatur des Monats lag bei minus 11 Grad. Das waren 0,7 Grad weniger als der Durchschnitt aller Novembertemperaturen zwischen 1961 und 1990. Seitdem lag kein Monat mehr unter dem aus diesen 30 Jahren berechneten Durchschnitt.

„Auf Spitzbergen haben wir die stärkste Erwärmung registriert. So große Abweichungen sehen wir auf dem Festland nie. Es ist extrem, und die Entwicklung geht sehr schnell“, äußert Klimaforscherin Reidun Gangstø Skaland vom norwegischen meteorologischen Institut in Oslo in dem Bericht.

Für den letzten Dezembertag des Jahres 2017 sind in Longyearbyen minus 13 Grad angesagt – das wäre genau der Dezemberdurchschnitt (-13.4 Grad) zwischen 1961 und 1990, den die Meteorologen als Vergleich nehmen. Der Durchschnitt der vergangenen 30 Tage liegt laut   Yr allerdings bei minus 4,3 Grad. An sechs Tagen war die Temperatur bis in den Plus-Bereich gestiegen.

Daten seit 1898

Temperaturdaten zu Spitzbergen gibt es bereits seit 1898. Sowohl Forschungsreisende als auch Walfänger zeichneten sie schon auf, bevor dort feste Messstationen eingerichtet wurden. Die Aufzeichnungen zeigen immer wieder wärmere und kältere Jahre und Phasen. Die Lage auf Spitzbergen ist abhängig von der Ausbreitung des Meereises und dem Zustrom aus dem Atlantik.

Den wärmsten Dezember der vergangenen 120 Jahre verzeichnet die Statistik der Meteorologen 1938 mit einer Durchschnittstemperatur von nur minus 0,9 Grad. Extrem mild waren auch die Dezember 1984 (-2,7 Grad) und 2009 ( -3,8 Grad).  Den kältesten Dezember gab es 1988 mit einer Durchschnittstemperatur von minus 22,5 Grad. Genau vor 100 Jahren verzeichnete man in der Statistik minus 20,4 Grad als Monatsdurchschnitt. 2003 gab es auch noch einmal einen kalten Dezember mit durchschnittlich minus 19,1 Grad.

Wärmstes Jahr 2016

Werte unter dem Monats-Vergleichswert sind nun seit sieben Jahren nicht mehr vorgekommen. Eine solche konstante Erwärmung gab es zuvor nicht. Das wärmste Gesamtjahr seit Beginn der Aufzeichnungen war 2016 mit einem Jahresdurchschnitt von minus 0,1 Grad – für einen Ort, der jenseits von 78 Grad Nord liegt. Dieser statistische Wert lag 2004 erstmals über minus vier Grad. Für die Periode 1961 bis 1990 liegt der Durchschnitt noch bei minus 6,7 Grad.

Folgen schon sichtbar

Die Folgen der Erwärmung zeigen sich bereits: Das Meereis schrumpft, der  Permafrostboden taut, im Winter fällt mehr Regen, die Gefahr von Erdrutschen steigt. Um sich auf die Folgen für die Gesellschaft auf Spitzbergen vorzubereiten, hat das Meteorologische Institut deshalb eine eigene Studie speziell für die Inselgruppe erstellt.

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