Seeigel fraßen den Tangwald – schuld ist Überfischung

Norwegen. In den vergangenen 50 Jahren haben Seeigel 2000 Quadratkilometer Tangwald an der mittel- und nordnorwegischen Küste vernichtet. Sie hinterließen eine steinige Wüste. Aber warum? Die Antwort darauf bietet eine neue Studie von Forschern des norwegischen Meeresforschungsinstitutes: Überfischung – insbesondere des Seewolfs.

Tangwald

Tangwald, hier
Laminaria hyperborea. Foto Erling Svensen/ Havforskningsinstituttet

Tangwald ist ein wertvoller Lebensraum: Er bietet Jungfischen Schutz, ernährt Pflanzenfresser und bindet auch noch CO2.  In einem funktionierenden Ökosystem fressen Pflanzenfresser wie der Seeigel den Tang. Raubfische wie Seewolf, Küstenkabeljau und Schellfisch wiederum fressen Seeigel. Warum nahmen die Seeigel plötzlich in den 1970er Jahren so überhand? Um dieses Rätsel zu lösen, studierten Forscher des norwegischen Meeresforschungsinstitutes (Havforskningsinstitutt) detailliert die Küstenfischerei Mittel-und Nordnorwegens ab 1950. Damals nahm die Anzahl der Schiffe zu, und neue Technik machte die Fischerei effizienter. Außerdem wurde der Seewolf (norwegisch steinbit, auch auf Deutsch oft Steinbeißer genannt) plötzlich ein interessanter Speisefisch. Früher galt er als uninteressant, nun stiegen Nachfrage und Preise. Quoten gab es dafür damals nicht.

Wenn der Seewolf plötzlich fehlt

Seewolf (Anarhichas lupus) Foto Erling Svensen/ Havforskningsinstituttet

Der Seewolf ist allerdings ein Fisch, der sich nur langsam entwickelt und spät geschlechsreif wird. Und nur große Seewölfe können auch große Seeigel knacken. Der Seewolf vermehrte sich nicht im gleichen Takt wie die Nachfrage. Und indem er auf den Tellern der Menschen landete, gemeinsam mit den anderen Raubfischen, hatte der Seeigel zunehmend freie Bahn. Er fraß sich durch die Tangwälder und hinterließ eine öde Unterwasserlandschaft. Dies schadete auch der Küstenfischerei, da es ohne den Lebensraum Tangwald auch weniger zu holen gab. Für die Wissenschaftler ist dies ein weiterer Beweis dafür, dass bei der Festlegung der Fischereiquoten das gesamte Ökosystem berücksichtigt werden muss – und wie wichtig es ist, robuste Fischbestände zu haben. (Weitere Quelle NRK)

In den vergangenen Jahren gab es in Mittelnorwegen eine kleine Verbesserung: Dort wird es dieser Seeigelart nämlich inzwischen zu warm, und so konnte sich der Tangwald etwas erholen…

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