Schweden: Schutz des bergnahen Waldes geht voran

Västerbotten (Schweden). Der schwedische Staat ist dabei, gut die Hälfte des bergnahen Privatwaldes in Västerbotten aufzukaufen und zu einem Naturreservat zu machen. Die Waldbesitzer bekommen dies gut bezahlt. Darüber berichtete SVT. Dahinter steht die Idee, dass der gesamte Wald entlang der Bergkette vom nördlichen Dalarna bis Norrbotten als zusammenhängendes Gebiet für Natur- und Artenschutz erhalten bleiben soll.

Wald Kvikkjokk

Bergnaher Wald bei Kvikkjokk, Norrbotten

Bei dem Wald, der nun den Besitzer wechselt, handelt es sich um sogenannte Allmänning-Wald in Västerbotten: Jeder, der dort eine Immobilie jenseits der „Anbaugrenze“ besitzt, ist automatisch Mitbesitzer des  dortigen Waldes, der auch gemeinsam bewirtschaftet wird. Diese Anbaugrenze wurde einst von der Verwaltung festgelegt, um unwirtschaftliche Höfe zu verhindern, hat heute aber vor allem Bedeutung für die Rentierwirtschaft. Dieser Wald soll in Zukunft nicht mehr bewirtschaftet werden. Mehrere Anträge auf Abholzung waren zuletzt nicht genehmigt worden. Für die Besitzer ist er damit wertlos, und sie gingen auf das Angebot des Staates ein, den Wald zu verkaufen. Konkret handelt es sich um etwa 50 000 Hektar, etwa die Hälfte des Waldbesitzes von Sorsele, Tärna-Stensele, Vilhelmina und Dorotea allmänning – für umgerechnet 40 Millionen Euro.

Wald schützen oder nutzen?

Um den schwedischen Wald gab und gibt es immer wieder Streit – die einen wollen ihn möglichst viel nutzen, die anderen möglichst viel schützen. Vor allem der bergnahe Wald als riesiges zusammenhängendes Gebiet sollte geschützt werden, um die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme zu erhalten.

Private Waldbesitzer hatten zwar protestiert gegen eine Waldpolitik, die ihnen Beschränkungen auferlegt. 2020 stellte das Obere Umweltgericht allerdings fest, dass der Staat eine Entschädigung zahlen muss, wenn er ein Abholzen untersagt – und zwar 125 Prozent dessen, was die Fläche an Marktwert verliert. Seitdem gibt es außergewöhnlich viele Waldbesitzer, die einen Antrag auf Abholzung stellen, meldete SVT vergangenes Jahr.

Die Erstattung und der Aufkauf von Allmänninge-Waldes kosten den Staat zwar Geld, dürften aber die Akzeptanz des Waldschutzes steigern. Zumindest entlang der Bergkette.

Früherer Artikel zum Thema:

Schweden: Wird der bergnahe Wald komplett geschützt?

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